Irgendwie…

… geht’s hier nicht mehr so richtig weiter, hab ich festgestellt. Moskau ist einfach zu weit weg😉 Danke für’s Vorbeischauen, im Archiv gibt es sicher den einen oder anderen lesenswerten Artikel, aber neue kommen wohl nicht mehr dazu… In diesem Sinne: До свидания an einem anderen Ort in den unendlichen Weiten des www.

der ganz normale Wahnsinn 2.0

Und ich hatte Recht, als ich sagte, wir sollten mit dem Freuen noch warten! Jetzt haben wir nämlich allen Ernstes ein Urteil an der Backe, das uns nicht nur zur Zahlung einer Strafe verpflichtet, sondern uns als der unterlegenen Streitpartei auch noch die Gerichtsgebühren aufbrummt! Der Rentenfonds hat nämlich leider nur uns davon informiert, dass man sich dort geirrt und gar keine Forderungen gegen uns hat. Das Gericht wusste davon nichts und hat ein Versäumnisurteil erlassen. Jetzt könnten wir natürlich in die nächste Instanz gehen und das Urteil anfechten, und das hatte ich ursprünglich auch vor – mittlerweile bin ich aber zum Schluss gekommen, den mein Liebster von Anfang an nahegelegt hatte, dass uns das nur noch mehr Ärger einbrocken würde.

Auf Nachfrage unserer Juristen sagte man im Rentenfonds nämlich plötzlich, dass da gar kein Irrtum vorliegt, sondern dass es sich um zwei verschiedene Verfahren handelt – das eine wurde eingestellt, und zum anderen wurde eben diese Klage eingereicht. Das ist natürlich völliger Blödsinn, weil die Rücknahme des Antrags sich genau auf die gleichen Unterlagen und die gleichen Verstöße und die gleiche Summe bezog wie die Klage. Es ging in beiden Dokumenten um die Meldungen für 2010, die daraufhin erfolgte interne Prüfung samt Protokoll etc. pp.

Wie gesagt – meine spontane Reaktion war: Berufung. Ich habe nämlich eigentlich überhaupt keine Lust, dem Rentenfonds Geld in den Rachen zu werfen und noch zusätzlich dafür zu zahlen, dass die dort zu dämlich sind, die Klage zurückzuziehen. Aus diversen Gründen werden wir aber genau das jetzt doch tun:

1. Wir sparen uns Geld (allein eine neue Vollmacht kostet mehr), Zeit und Nerven, die für so einen Prozess draufgehen würden, und schließen dieses Kapitel hoffentlich endgültig ab.
2. Wer weiß, ob die beim Rentenfonds nicht noch irgendwelche andere Protokolle basteln würden, damit sie Recht bekämen? Wer weiß, ob das Gericht so unvoreingenommen wäre, eine Entscheidung gegen eine staatliche Behörde zu fällen? Und wer weiß, ob sich das nicht irgendwann und irgendwie noch mal rächen würde? Schließlich haben wir ja schon einen Wisch, der bestätigt, dass alle Schulden beglichen sind, dass das Gewerbe abgemeldet ist. Am Ende rollen die das ganze Verfahren wieder auf, und der Sch…Hürdenlauf beginnt von vorne???
3. Mein Herzliebster ist immer noch russischer Staatsbürger und außerdem der Meinung, dass mit diesem Staat nicht gut Kirschen essen ist. Schuldner können z.B. an der Ausreise ins Ausland gehindert werden, und das wäre ein recht unangenehmer Moment beim nächsten Heimatbesuch, wenn die Grenzer plötzlich erklären: „Gegen Sie liegt ein Vollstreckungsbescheid vor, leider werden Sie Ihren Flug nach Österreich verpassen.“ Und auch die Staatsangehörigkeit wird man nicht los, wenn da noch irgendwelche Altlasten an einem kleben.

Deswegen: Ja, wir kneifen, ja, wir werden zähneknirschend dieses Urteil hinnehmen und – wieder einmal – zahlen. Und ja, ich finde das auch Mist. Wenn sich keiner gegen Behördenwillkür wehrt, wird sie weiter blühen und gedeihen. Aber es lässt sich immer so schön reden, wenn man einen ausländischen Pass in der Tasche hat und selbst nicht Gefahr läuft, dass die eigene Courage Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringt, die einen als Bumerang im Genick treffen können, wenn man am wenigsten damit rechnet. Russland ist ein Rechtsstaat, das Recht des Stärkeren gilt dort uneingeschränkt. Auf ein Kräftemessen wollen wir es in diesem Fall nicht ankommen lassen.

Das Header-Bild…

… ist nun endlich dem tatsächlichen Lebensumfeld angepasst und zeigt den Blick aus meinem Bürofenster.

der ganz normale Wahnsinn

Ich möchte mal wieder eine Story erzählen, die man wahrscheinlich lustig finden könnte, wenn sie nicht 1. wahr wäre und 2. uns passiert ist.

2006 hatte mein Liebster noch in Moskau die Idee für ein kleines Business und sich als IP, als Einzelunternehmer, registrieren lassen. Das ging schnell, war nicht schwierig und auch nicht teuer. Das Ganze lief aber nicht so richtig und schlief irgendwann ein. Bevor wir aus Moskau wegzogen (ich erinnere die werte Leserschaft, das war im Sommer 2010), haben wir auch versucht, das Kleingewerbe wieder abzumelden, aber es stellte sich heraus: Im Gegensatz zur Anmeldung geht das nicht schnell und ist durchaus schwierig, weil man x Bestätigungen von Renten- und Steuerbehörde braucht, und wenn man von der zweiten Behörde alles hat, ist die „spravka“ von der ersten schon wieder veraltet. Letztlich haben wir kurz vor der Abreise eine kleine juristische Firma beauftragt, von der wir jetzt vor zwei Wochen die Bestätigungsurkunde geschickt bekommen haben: Auftrag ausgeführt, Gewerbe abgemeldet. Nachgezahlte Rentenbeiträge, Strafe für nichteingereichte Steuererklärungen und Honorar für die Juristen: 1.200 EUR. Zähneknirsch… das Honorar für die Juristen war dabei der kleinste Teil. Selbst schuld, der Liebste hätte sich halt drum kümmern müssen, dass er rechtzeitig alles erledigt – schließlich wusste er schon lange vorher, dass es mit dem Gewerbe nix wird. Egal.

Jedenfalls wollten wir gerade anfangen, uns zu freuen – endlich diese Sache vom Tisch, jetzt schwebt nichts Unerledigtes mehr in Russland herum, da ruft letztes Wochenende mein Schwiegervater an: Es kam eine Ladung zum Wirtschaftsgericht der Stadt Moskau. Der Liebste in heller Aufregung, erstmal Vollmacht organisieren, dass der Schwiegervater die Ladung von der Post abholen und uns gescannt schicken kann – 10 Seiten mit Gerichtsbeschluss und Terminierung der ersten Verhandlung für Mai, Klageschrift vom Rentenfonds der Russischen Föderation, Protokoll einer  internen Prüfung durch die Verwaltung der Rentenkasse usw.

Ich hab mich dann also hingesetzt und das Ganze studiert: Bissel über 1.000 Rubel (ca. 25 Euro) Bußgeld wollen sie haben, weil der Liebste angeblich irgendwelche Meldungen für das Jahr 2010 nicht oder verspätet an die Rentenkasse geschickt hat, und geklagt haben sie, weil das Bußgeld nicht freiwillg bezahlt wurde (wie auch, wir wussten ja davon nichts). Die Klagesumme ist natürlich ein Witz, aber noch viel witziger ist: Wir hatten die ganze Zeit gar keine Meldungen abgegeben – seit 2006 nicht. Das hat all die Jahre auch keinen interessiert. 2010 hab ich das dann alles nachgeholt, natürlich für das laufende Jahr nicht, das war ja noch nicht zu Ende. Mittlerweile hatten unsere Juristen da in Moskau aber alles gemeldet, bezahlt und auch sämtliche offizielle Bestätigungen für die endgültige Gewerbeabmeldung erhalten, die man nur dann bekommt, wenn keine Schulden o.ä. offen sind. Kurzer Anruf – die könne sich das auch nicht erklären, aber kümmern sich drum.

Zwei Tage später dann wieder ein Anruf vom Schwiegervater: Noch ein Brief – diesmal direkt vom Rentenfonds: „… Wir ziehen unseren Antrag zurück … alles erledigt … Bußgeldverfahren eingestellt … wenn Sie aber bitte noch 1,88 Rubel (0,45 Euro) Verzugszinsen nachzahlen würden …“ Ist das nicht der Hammer?

Soll man jetzt lachen, weil das alles wie ein verspäteter Aprilscherz aussieht, oder soll man weinen, weil das die Realität des russischen Behördendschungels ist? Man kann sich ja leider nicht drauf verlassen, dass sowas ein Happy End findet und dann noch so schnell (wir haben auch schon um die 6.000 Rubel doppelt zahlen müssen, weil die Zuständigkeit des Gaswerkes sich geändert hatte und die meinten, sie könnten nix dafür, wenn wir an das falsche gezahlt haben – das war die Fortsetzung von dieser Geschichte.) Außerdem ist laut Internetkalender des Moskauer Wirtschaftsgerichts (es geht auch fortschrittlich!) unser Verhandlungstermin im Mai immer noch aktuell… wir sollten mit dem Freuen also vermutlich doch lieber noch ein bisschen warten.

Hello again.

Der eine oder andere wird es sich schon gedacht haben: Der angekündigte Umzug war quasi der Auszug aus Ägypten Russland und ist mittlerweile anderthalb Jahre her. Ungefähr so lange war ich auch nicht mehr im Blog aktiv (musste grad eben erst mal mein Passwort zurücksetzen lassen und mich im neuen Dashboard zurechtfinden), aber Kommentare kommen ja per Mail ins Postfach. Mich erstaunt, dass immer noch Leser hierher finden und nach so langer Zeit noch um eine Fortsetzung bitten. Ich hab damit nicht gerechnet, hätte aber nun nach der langen Pause endlich wieder Zeit und auch Lust zum Schreiben, und zu Russland fällt mir auch immer (noch) was ein. Verbindung dorthin habe ich natürlich immer noch – durch einen Teil der Familie, Freunde, ehemalige Kollegen, nicht zuletzt auch viele Erinnerungen und ein gutes Stück meines Lebens, das man ja nicht einfach so abhaken oder von sich loslösen kann. Die große Frage ist nur: Macht das noch Sinn, wenn ich nicht mehr vor Ort bin? Will das überhaupt wer lesen, wenn der Eindruck nun quasi von außen kommt und nicht mehr Live-Reportage der täglichen Freuden und Ärgernisse im Land selbst ist?

Alternativ könnte ich aus einer anderen europäischen Hauptstadt berichten… oder einfach die Klappe halten und den/das Blog hier endlich schließen. Da hätte ich jetzt gern mal eine Meinung gehört. Oder zwei oder viele.

Wegen Umzugs…

… vorübergehend geschlossen.

Es dauert noch ein kleines Weilchen, dann melde ich mich wieder und schiebe die Infos der letzten drei Monate nach. Geduld, Geduld, bald kommt der Advent und mit ihm mal wieder eine renovierte Version von MaNus Moskau.

Mehr davon!

Wie hieß noch mal das nasse Zeug, was normalerweise immer mal wieder vom Himmel fällt? Ich hab’s schon vergessen, ist zu lange her, seit es das letzte Mal hier anzutreffen war. Ach ja – REGEN! Vor einer halben Stunde sah es tatsächlich kurz so aus, als würde es regnen, aber es war nur ein ganz kleines Nieselchen, die Straßen wurden nicht mal richtig feucht, und schon ist das bisschen Hoffnung wieder verdampft. Aber der Luft hat es gut getan, wenigstens ein paar von den Aschepartikelchen schweben jetzt nicht mehr ziellos in der Gegend herum, die Sonne sieht jetzt wieder normal aus und nicht wie ein orangeroter Mond umhüllt von Qualmschichten. Die Waldbrände und vor allem auch Gärten und Felder bräuchten allerdings schon eine ordentlichere Ladung Wasser.