Vorweihnachtsflair

Hier im Haus, wo unser Büro ist, befindet sich auch eine Musikschule. Je nach Wochentag hört man von da Kindergesang, Klaviergeklimper oder Fußgetrappel – die machen da von Chor über Instrumentalunterricht bis Tanz scheinbar alles. Heute nun klimperte es von unten „White christmas“ in der Mega-Hochgeschwindigkeitsversion, ich hab’s gar nicht gleich erkannt. Und da fiel mir ein, dass es doch wenigstens EINEN Vorteil hat, wenn man zur Vorweihnachtszeit nicht in Deutschland ist: Mir bleibt das ewig nervige Dauergenudel der immer gleichen Weihnachtspopsongs aus allen Lautsprechern und Radios erspart.

Am Samstag war übrigens Weihnachtsmarkt in der Deutschen Botschaft, groß angepriesen und per Newsletter diese Woche schon als großer Erfolg gerühmt, aber ich fand ihn absolut enttäuschend. Ich war mit Andrej, meiner Freundin Sveta und ihrem Freund da und wollte ihnen zeigen, wie es bei uns im Advent zugeht – hm, peinlich. Ein kleines Fresszelt mit Bratwurst und Röstfleisch und einem glühweinähnlichen Getränk auf dem Hof und ein paar Stände mit allerlei unverschämt teurem deutschem und russischem Kunstzeug aus Holz und Glas in einem kleinen Raum, dazu Kaffee und Kuchen und Eis und eine englischsprachige Tombola – das war’s. Für mich hat das nix mit einem Weihnachtsmarkt zu tun, das hätte auch ein beliebiger sonstiger Wohltätigkeitsbasar sein können.

Was jedenfalls in Moskau fehlt und fehlen wird, ist das typische Vorweihnachtsflair in den Straßen. Zwar taucht hier langsam auch Neujahrsschmuck auf (Neujahr ist das Hauptfest), so Lichterketten und kitschige künstliche Tannenbäume mit ekelhaft knallbunten Plastikkugeln dran und so, aber das ist alles nix… und besonders fehlt der DUFT vom Advent: Räucherkerzchen, Plätzchen, Lebkuchen, Stollen, Kerzen, Glühwein… Immerhin haben wir neulich in einem Supermarkt Schokolebkuchen entdeckt, also diese marmeladegefüllten Herzen und meine Lieblinge Herzen-Sterne-Brezeln. Hurra! Sind zwar teuer, aber ich muss wenigstens nicht ganz drauf verzichten. Außerdem könnte ich ja mal selber Stollen backen, Glühweingewürz haben wir auch, Teelichter auch, na und den Rest muss ich mir halt dazudenken. Mein Weihnachtszeug liegt noch in einer Kiste im Keller bei meinen Eltern… aber nächstes Jahr!!!

Auf den ersten Blick…

…könnte man denken, dass dort am Metroschacht irgendwelcher Müll oder alte Lumpen herumliegen. Wenn man genauer hinschaut, sind es Menschen, sogenannte Bomzhi, die da, wo die warme Luft aus der Metro aufsteigt, auf Kartons schlafen:

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