Harte Jungs…

… sind auch manchmal ganz schön anlehnungsbedürftig, so wie diese beiden in der Metro.harte-jungs.jpg

Advertisements

Chaos auf Moskaus Straßen

Ich bin auf dem Heimweg und sitz im Marschrutka ganz hinten, hab also einen prima Überblick über das Verkehrsgeschehen. Genauer gesagt, ist das kein Geschehen, sondern ein einzige Chaos, in dem sich jeder selbst der Nächste ist.Eben bogen wir aus einer Seitenstraße auf die Chaussee, die aus Moskau raus nach Osten führt. An der Kreuzung stehen x Autos, die alle in diese Richtung wollen, an ihnen vorbei schiebt sich auf der um diese Zeit weniger befahrenen dreispurigen Gegenfahrbahn ein Erste-Hilfe-Fahrzeug mit Blaulicht, aber keiner macht Platz: Die Fahrzeuge auf der Hauptstraße bewegen sich keinen Zentimeter zur Seite, die aus der Seitenstraße abbiegenden biegen munter weiter ab und lassen den Rettungswagen nicht durch. Es ist wichtiger, dass man diese Grünphase noch erwischt und 5 Minuten eher nach Hause kommt, als dass jemand anderes vielleicht lebenswichtige Minuten auf dem Weg ins Krankenhaus verliert. Da sich weiter vorne noch eine Ampel befindet, gibt es einen kleinen Rückstau, der dem Krankenwagen den Weg abschneidet, obwohl der nun endlich grünes Licht hat. Zur Krönung blockiert nun auch noch ein Lastwagen drei Spuren, weil er beim Abbiegen ein anderes Auto geschrammt hat. Wenn die Fahrer sich nicht einigen können, müssen sie da nun genau so stehenbleiben, bis die Polizei kommt und den Unfallhergang dokumentiert – das kann dauern, und die Leute, die auf der Hauptstraße fahren, haben nun das Glück, in einem dicken Stau zu stehen. Das kommt davon, wenn einige Übereilige alle Regeln der Verkehrsordnung, der Vernunft und der elementarsten Rücksichtnahme außer acht lassen – und das ist hier nun mal leider Regelfall und nicht Ausnahme. Der Rettungswagen konnte sich zwar schließlich doch links am LKW vorbeiquetschen, aber auch er kann selbst mit Sirene und Blaulicht generell nicht auf besondere Rücksichtnahme der anderen Verkehrsteilnehmer hoffen. Und der, der auf schnelle medizinische Hilfe angewiesen ist, leider auch nicht. Von den Egoisten hinterm Steuer denkt keiner darüber nach, dass es ihn mal selber treffen könnte…

Frühstücksfußball

Ich bin müde, konnte eben doch nicht am Fernseher vorbei, in dem ab 23 Uhr das Spiel Brasilien-Kroatien lief… hab mich aber nach einer langweiligen ersten Halbzeit dann doch ins Bett verabschiedet. Heute früh beim Frühstück hab ich dann ein bisschen in die zweite Halbzeit reingeguckt (wir haben die auf Video aufgenommen) und war enttäuscht. Ich hatte die Brasilianer gegenüber so hoch gelobt von wegen schöner Fußball und so… darauf warten wir noch. Zwei tolle Momente gab’s in der ersten Halbzeit, das Tor natürlich und vorher einen Hammer-Eckstoß von Ronaldinho, aber sonst…

Ich hoffe natürlich, dass heute Deutschland gescheit spielt und die Polen nach Hause schickt. Andrej bäckt wieder seine leckeren Brezeln, außerdem gibt es entweder Linsensuppe oder gekochte Garnelen, so ganz schlau geworden bin ich noch nicht aus den kulinarischen Absichten meines Liebsten.

langes Wochenende

Wir hatten gestern Feiertag („Tag Russlands“ oder „Unabhängigkeitstag“), der zufällig mit dem Pfingstwochenende zusammenfiel – Pfingstmontag sozusagen, obwohl der kirchliche Feiertag hier sonst nicht frei ist. Insofern startet die Welt bei mir erst heute.

Das lange Wochenende haben wir dazu genutzt, mal wieder einen protestantischen Gottesdienst zu besuchen. Wir waren diesmal in der Moscow Bible Church, die uns bisher mit Abstand am besten gefallen hat, obwohl auch da irgendwas fehlte. Vielleicht lag es daran, dass es nun schon sommerlich wird und die Moskauer Bevölkerung die Wochenenden stadtauswärts auf ihren Datschas verbringt, vielleicht auch daran, dass sich von den Anwesenden irgendwie keiner bemüßigt gefühlt hat, uns zu begrüßen oder sonstwie Aufmerksamkeit zu widmen. So sind wir halt nach dem Gottesdienst einfach gegangen – und haben ebenfalls unserer Datscha einen kleinen Besuch abgestattet.

Eigentlich ist es schade, dass wir uns sonntags so selten aufraffen können, einen Gottesdienst zu besuchen. Die Fahrerei die ganze Woche über ist so anstrengend, dass wir nicht auch noch am Wochenende nach Moskau rein und dann wieder heim kutschen wollen, weil bei 5 Stunden reiner Wegzeit nicht mehr viel vom Sonntag übrig bleibt. Wir könnten zwar wenigstens ab und zu in eine orthodoxe Kirche in der Nähe fahren, aber selbst dazu haben wir oft keine Energie… sehr, sehr schade. Es müsste öfter lange Wochenenden geben, da könnte man samstags ein bißchen ausschlafen und dann bügeln, kochen, die Wohnung in Ordnung bringen und das erledigen, was in der Woche liegen bleibt, weil nach Feierabend und Heimfahrt keiner mehr Nerven dafür hat. Sonntags könnte man dann Gottesdienst besuchen und abends irgendwas nettes machen, vielleicht mal ein Konzert oder Freunde besuchen oder so, und Montag hätte man dann immer noch einen Tag nur zum Ausruhen, Erholen, Spazieren. Das wäre ideal… aber ist leider sehr selten.

auf dem Trockenen

Seit Sonntag haben wir kein Wasser im Haus. Zum Glück gibt es ein Handvoll Brunnen im Ort, wo man Wasser mit einer Pumpe in Kanister füllen kann. Das ist auch ganz sinnvoll, da es immer mal vorkommt, dass das Wasser kurzzeitig wegen irgendwelcher Reparaturarbeiten abgestellt wird. Diesmal ist es aber nicht nur für ein paar Stunden, sondern für einige Tage, und genauer gesagt, ist fast der ganze Ort ohne fließend Wasser. Es scheint sich um eine größere Havarie zu handeln, und wann die beseitigt wird, weiß noch keiner so genau. Wir haben jedenfalls volle Kanister und machen das Wasser zum Waschen auf dem Herd warm, insofern bin ich im Moment relativ gelassen. Mir tun nur die alten Leute total leid, für die ist das total beschwerlich – bei uns ist kein Brunnen direkt in der Nähe, also müssen sie weit laufen, na und Kanister schleppen können die nicht… Das Blöde ist: Die Reparaturleute werden wieder ein bisschen rumwerkeln und den Schaden irgendwie provisorisch beheben, und in drei Wochen geht das alles wieder von vorne los, weil entweder das Geld, das für die Reparaturarbeiten zur Verfügung gestellt wird, irgendwo „unterwegs“ in irgendwelche Taschen wandert oder weil die Arbeiter besoffen sind oder weil einfach nur halbe Sachen gemacht werden. Seufz.. manchmal zweifle ich echt daran, dass Russland jemals richtig auf die Beine kommt…

IKEA – entdecke die Möglichkeiten

Es ist soweit, das Wochenende rückt in unmittelbare Nähe, ja es ist fast zum Greifen nah, nur noch ein paar wenige… – doch was ist das? Oh nein, noch ein ganzer Arbeitstag… naja, aber immerhin ist es ein Freitag, der Chef ist wieder irgendwo im Süden Russlands unterwegs, und im Büro ist alles ruhig.

Heute sind Andrej und ich zusammen mit dem Auto nach Moskau gefahren, das hat mich zwar um meinen alltäglichen Bus-Schlummer gebracht, aber uns ein zusätzliches Stündchen morgendlicher Zweisamkeit beschert, und die ist mir doch viel mehr wert als ein bisschen unruhiges Vor-sich-hin-Gedöse. Hab an der Metro-Station eine sogenannte Pomelo gekauft, angeblich eine Mischung aus Apfelsine und Pampelmuse (oder Orange und Grapefruit, wie es auf andersdeutsch heißt). Das Ding ist nicht ganz so groß wie ein Fußball und blassgelb, wie sich herausstellte, nachdem ich das orangefarbene Netz und die dunkelgelbe Folie abgemacht hatte. Na egal, gegessen wird’s trotzdem.

Ich freu mich schon auf heute Abend – natürlich am meisten auf meinen Liebsten, aber auch darauf, dass wir auf dem Heimweg wieder bei IKEA Halt machen. Es ist so praktisch, dass letzten November eins an unserer Heimfahrtstrecke von Moskau-Süd (wo meine Schwiegereltern wohnen und unsere Datscha sich befindet), denn die anderen beiden Moskauer IKEAs liegen für uns sehr ungünstig. Außerdem gibt’s im neuen IKEA die besten Hotdogs und Pizzabaguettes, welche uns ab und an zu einem Abstecher zu IKEA verleiten, auch wenn wir keine Möbel, sonstiges Inventar oder schwedisches Bier kaufen wollen. Letzteres ist übrigens die bisher beste Alternative zu russischen oder in Russland gebrauten westlichen Biersorten – Andrej meint, die mischen in die in Russland abgefüllten Biere irgendwas rein, was ihm nicht bekommt. Mir schmeckt es auch nicht so richtig. Das IKEA-Bier mögen wir beide. Da das mit 1 Euro für 0,5 l nicht sooo billig ist, genießen wir in Maßen (nicht mit ss), aber demnächst kommt ja viel Fußball im Fernsehen – zumindest hieß es, dass hier die Spiele übertragen werden, obwohl Russland bei der WM ja nicht dabei ist, also sollten wir mal wieder ein bisschen Bier anschaffen. Passt gut zu den Laugenbrezeln, die mein Liebster mit Begeisterung und großen Talent bäckt…

Mahlzeit!

So, nachdem ich nun alle Witze im Forum zu Ende gelesen habe, kann ich auch mal wieder ein Beiträgchen schreiben.

Nächste Woche werde ich in der Österreichischen Botschaft zu einem Business Breakfast gehen, mein Chef kann da nicht, und da schickt er eben mich als seine Assistentin hin. Fein. Hoffentlich gibt´s was leckeres zum Frühstück… hm… irgendwelche österreichischen Mehlspeisen oder Torten oder wenigstens gutes Brot und ordentlich was drauf… gescheiten Wurstaufschnitt z.B. seufz… Außerdem darf ich mich nun langsam mehr mit juristischen Sachen beschäftigen, ich habe heute den Auftrag gekriegt, mich in Green- und Brownfield-Projekte einzuarbeiten, klingt ganz spannend. Aber die Witze hatten Priorität 🙂 Eben war ich in der Küche zum Middach. Ich hatte eine von Andrej gebackene Laugenbrezel und einen Apfel und ein Milchprodukt namens Rjashenka dabei. Leicht und lecker. Und das Büro spendiert Kaffee und/oder Tee dazu…

Richtig Lust hätte ich übrigens auf ein „All you can eat“-Brunch a la Cafe Kairo in Passau… leider gibt es sowas hier nur in Hotels, und das zu solchen Preisen, dass einem der Appetit prompt wieder vergeht. Oder man tut sich halt bei irgendwelchen Business-Lunch-Buffets gütlich, aber das ist eben kein Brunch. Hmpf.