Fortsetzung der Montagsmuffelei

Ich hab gestern Abend versucht, die Deutsche Welle bei uns ins Radio zu kriegen, kam mir dabei vor wie ein deutscher Widerständler in der Nazizeit beim „Abhören von Feindsendern“. Empfang ist natürlich mies, aber ich hab’s gefunden. Hätte auch Lust auf paar gute Filme, deutsche oder auch andere, mir hängt das russische Fernsehen und generell Fernsehen mit Werbung und stupiden Sendungen, blöden Serien, sozialistisch angehauchten Nachrichten und selten mal guten Filmen echt zum Halse raus. Ich bin es nicht gewöhnt und will mich auch nicht dran gewöhnen.

Ansonsten bin ich müde, könnt wahrscheinlich auf der Stelle einschlafen, wenn ich mir nicht bissel Kaffee eingeflößt hätte.. In der letzten Zeit fahr ich früh meistens unser Auto nach Moskau, weil Andrej schlecht schläft oder sich nicht so gut fühlt… dass ich auch noch ein bisschen Erholung bräuchte und auch schrecklich unausgeschlafen bin, sag ich nicht, irgendwer muss ja fahren. Früher war er morgens immer fit, ist 15 Minuten vor mir aufgestanden und hat den Tisch gedeckt und Frühstück vorbereitet und saß dann natürlich auch im Autochen am Steuer, jetzt steht er zwar auch eher auf, aber von fit ist keine Rede, er kramt dann mit den Papieren für die Arbeit rum, packt seine Tasche, Frühstück mach ich, und Auto fahr auch oft ich. Ich beschwer mich auch nicht, es heißt ja, einer trage des anderen Last, und das mach ich ja im Prinzip auch gern, außerdem hock ich den ganzen Tag am Schreibtisch, und er muss in der Gegend rumfahren und Kundendienst machen und manchmal ne schwere Tasche schleppen. Ich frag mich nur, warum er in letzter Zeit morgens nicht in die Gänge kommt und ich nicht mal am WE schaffe, mich zu erholen, auch wenn wir nirgendwohin fahren. Außerdem schlafen wir ja sooo wenig nun auch nicht, 7 Stunden… aber ich hätte schon lieber 9, nur hieße das, dass ich gleich nach dem Nachhausekommen sofort ins Bett müsste, und selbst dann wären es oft nur 8,5. Seufz. Ich glaube, wir könnten mal richtigen Urlaub gebrauchen.

Apropos.. gestern kamen zwei Kollegen aus dem Urlaub wieder, vorige Woche auch zwei, eine ist jetzt im Urlaub, und alle meine Kollegen waren diesen Sommer irgendwo am Meer, am Strand, nur ich nicht. Na zwei Tage Baggersee mit meiner Schwester, okay. Aber mit Meer und so wird es wahrscheinlich auch nächstes Jahr nix. Andrej kennt das nicht so, in Urlaub fahren, und mit hunderten Leuten irgendwo am Strand sein und baden, das ist schon gleich gar nix für ihn. Außerdem steht ja wieder das Deutschland-Pflichtprogramm an, weil ich im Sommer ein neues Visum brauche und diverse Leute besuchen will oder muss… meine Kollegin meinte, na dann fährste halt da eine Woche hin und im September dann irgendwo ans Meer (Türkei, Ägypten – das sind für Russen beliebte Ziele, weil man das Visum bei der Einreise gestempelt kriegt und das alles nicht so teuere Urlaubsländer sind, aber da wird Andrej ja nie nicht hinfahren, und ich bin auch nicht so scharf drauf). Aber für eine Woche nach Deutschland fliegen, das lohnt sich überhaupt nicht, da hat keiner was davon, und dann gleich noch mal in Urlaub fahren – kostet ja auch bissel was… und wir wollen unsere Datscha so ausbauen, dass man in zwei Jahren da richtig wohnen kann, wir planen für nächstes Jahr, mal die Nachwuchsproduktion in Angriff zu nehmen… da sind keine großen Sprünge drin, und wahrscheinlich wird es deshalb bis nächsten Sommer auch nix mit Deutschland. Werden im Winter also voraussichtlich hier bleiben. Seufz. Vielleicht können wir ja dann im Sommer nach Hamburg und von da einen Tag an die Ostsee, das wäre mir mehr wert als eine Woche Türkei (bin eh nicht so der Typ für eine Woche Pendelverkehr zwischen Hotel, Pool und Strand).

Die Waage hat heute früh aus unerklärlichen Gründen wieder mehr als gestern angezeigt, manchmal hab ich den Eindruck, das macht die absichtlich, um mich zu ärgern. Andrej meinte heute, er wird sich „drum kümmern“. Ich hab erst gedacht, er will die Waage zerhauen, aber nein, er will nun, dass wir jeden Abend, egal wie müde wir sind, 20 Minuten zu Hause sporteln. Was genau er vorhat, weiß ich noch nicht. Bin nur gespannt, wie lange wir das durchhalten, wenn dann das „Ich bin soooo müde“ eintritt, und er ist abends meist müder als ich, oder ich reiß mich mehr zusammen als er, keine Ahnung. Ich könnte abends immer wenigstens noch ein bisschen Ordnung im Haushalt schaffen, dann ein Weilchen zusammensitzen, kuscheln, quatschen und so, aber er will dann ins Bett und pennt oft einfach weg – weiß nicht, ob Männern das „Zusammenreiß“-Gen fehlt…

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Montagsmuffelei

Bei uns herbstelt es wie verrückt, der Herbst malt die schönsten Farben in die Baumkronen, früh wabert der Nebel über die Wiesen, die Sonne strahlt, aber wärmt nicht mehr so recht…

Mein Montag fing wie immer total verschlafen an. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich schaff es seit Christianes Besuch irgendwie nicht mehr, am Wochenende richtig auszuruhen und Kraft zu tanken. Ich steh montags so müde auf, wie ich freitags war, obwohl wir uns für die Wochenenden nix groß vornehmen. Ich kann nicht richtig ausschlafen, sondern dämmer nur noch vor mich hin, nachdem ich einmal wach war (und dank meines Mannes ist das meist recht früh), und ich schaff auch nix richtig am Wochenende, weil ich zu schlapp bin. Außerdem ärgert mich, dass ich nicht von meinen lästigen überflüssigen Pfunden runterkomm, ich fühl mich in meiner Haut gar nicht so wohl. Mehr Sport wäre wahrscheinlich die Lösung – aber wann? Früh ins Auto, aus dem Auto in die U-Bahn. Von da 10 Minuten Spaziergang, den ganzen Tag mit wenigen Unterbrechungen sitzen, wieder 10 Minuten laufen, U-Bahn, dann Auto oder Bus, dann Bett. Nerv!!! Und am Wochende macht entweder das Wetter nicht mit oder – wie diesmal – mein Rücken nebst allgemeiner Schlaffheit. Jammer ich gerade? Ups.. naja aber irgendwas muss ich dringend machen, denn erfahrungsgemäß setzt man im Winter eher Speck an als ab.. sonst seh ich bald aus wie ein Klops.

Fliegen und andere Lästigkeiten

Über Moskau hängt heute eine graue Glocke aus Smog und Wolken, aber selbst wenn die Sonne schiene, würde ich sie ja doch nicht sehen in meinem Kabüffchen, dank dem tollen neuen Gebäude…

Ich ärger mich mit einem Hotel in Mailand rum, und das schon seit Freitag, weil die zu dämlich sind, eine gescheite Buchungsbestätigung mit den Namen der Leute, für die wir gebucht haben, auszustellen – wir brauchen das fürs Visum. (Ich fliege natürlich nicht, ich bräuchte ja auch kein Visum.)

Sonst ist auch lauter Zeug, ganz schön viel, irgendwie muss ich mir mal ein System einfallen lassen, wie man effektiv eins nach dem anderen abarbeiten und dabei die Wichtigkeit beachten und nichts vergessen kann. Muss heute auch früher von der Arbeit los, will einer Amerikanerin einen gebrauchten Luftbefeuchter oder so abkaufen, im Winter ist die Luft bei uns zu Hause arg trocken, weil man ja die Heizung nicht runterregeln und keine Fenster aufmachen kann.

Und jetzt ärgert mich hier noch eine dicke Fliege, die dauernd vor meinem Monitor rumpendelt – sie könnte Nr. 13 auf meiner Todesliste werden – hähähä –

Arbeiten auf russisch

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Man mag es ja kaum glauben, aber so geht es hier oft wirklich zu, ganz ohne Mist. Ich hab es selbst mehrfach gesehen, erst neulich z.B. beim Blick aus dem Bürofenster, wo gegenüber gerade ein neues Gebäude fertiggestellt wird. Unter anderem werden da gerade irgendwelche Rohre entlang der zukünftigen Einfahrt gelegt, und das sah ganz ähnlich aus – nur standen um die Grube sage und schreibe 13 Leute herum… (Zu diesem Gebäude und der Einhaltung von Bauvorschriften und so könnte man auch einiges sagen, aber nicht jetzt.) 

Überraschungen

Kaum ist der Besuch wieder weg, geht das Chaos richtig los… Hier eine kurze Aufzählung der Ereignisse der letzten Woche:

  • Mittwoch, 6.9.: Unfall in Moskau bei der Fahrt zur Arbeit – darüber hatte ich ja schon geschrieben: ein Gazell-Fahrer drückt sich auf der Mittellinie zwischen unserer und der Gegenfahrbahn durch, reißt uns dabei den Außenspiegel ab und rammt den Kotflügel. Versucht abzuhauen, klappt nicht. Diskussion „Ich kann das nicht gewesen sein, und wenn ihr die Polizei ruft, dann sag ich, ich bin ordentlich gefahren und ihr habt mich rechts überholt.“ Das soll er erst mal beweisen. Er droht damit, dass er uns seine Arbeitgeber auf den Hals hetzt: „Die ruf ich jetzt an, das sind Tschetschenen!“ Nachdem wir eine Stunde lang umsonst auf die Polizei gewartet haben, gibt er schließlich doch nach und rückt 200 Rubel (um die 6 Euro) für den Spiegel raus. Immerhin.
  • Freitag, 8.9.: Wir kommen nach der Arbeit abends heim in unser Städtchen bzw. Kaff – kein Wasser da. Nicht nur kein heißes, gar keins, ohne Vorwarnung, ohne Erklärung. Wieder los mit Kanistern zum Wasserpumpen, und das gegen 22 Uhr.
  • Montag, 11.9.: Wir kommen nach der Arbeit gegen 21 Uhr nach Hause – in der Nachbarschaft ist alles dunkel, stockfinster – richtig vermutet, kein Strom da. Auch ohne Vorwarnung, ohne Erklärung. Wir kramen Kerzen und Kerosinlampen raus, Romantik pur.
  • Donnerstag, 14.9.: Wieder kein Strom. Wir schließen einen Invertor an eine alte Autobattarie an und haben somit trotzdem ein bißchen mehr als nur Kerzenlicht.

Bin schon gespannt, was uns dann heute erwartet, wenn wir heimkommen.

Demut im Verkehr?

Bei uns läuft nun alles wieder seinen gewohnten Gang – früh raus und spät heim. Gestern früh hatten wir prompt einen kleinen Unfall, nix schlimmes aber doch unangenehm, zumindest ist unseren Gästen diese Erfahrung erspart geblieben. Für uns war es auch eine gute Lektion – wir lesen derzeit zusammen ein Buch über Demut und wie man die lernen kann, und gestern konnten wir beide mal wieder eindrücklich feststellen, dass uns da noch viel fehlt. Obwohl wir im Recht waren, haben wir uns doch nicht ganz richtig verhalten… vielleicht war dies die nötige „praktische Veranschaulichung“ zur Theorie aus dem Buch, und Gott hat sich auch in dieser dummen Situation eindrücklich erwiesen. Der Unfallverursacher hat sich nämlich erst stur gestellt, gedroht, dass er seine tschetschenischen Freunde anruft und uns gesagt, was er der Polizei alles erzählen will (wir hätten ihn rechts überholt und dabei gerammt – völliger Quatsch), und zum Schluss ging dann doch alles ohne Polizei, und er hat sich sogar aufrichtig entschuldigt. Am Auto ist auch nicht sooo viel Schaden entstanden, der linke Außenspiegel ist hin, und der Kotflügel hat eine lange Schramme – aber den wird Andrej sowieso auswechseln, wir haben schon lange einen neuen zu Hause, zum Glück hatte er bisher dazu keine Zeit.