lachhaft

So hat Onkel Wowa  der Präsident gestern in den Nachrichten die Summe genannt, die bisher an Menschen ausgezahlt wurde, die – obwohl arbeitsfähig – nicht arbeiten, weil sie einen Schwerstbehinderten, ein behindertes Kind oder einen pflegebedürftigen Alten betreuen. Und deswegen wird – „zur Verstärkung des Schutzes der arbeitsunfähigen Bürger Russlands“ – diese Summe per Präsidentenerlass ab 1.1.2007 erhöht: von 120 Rubel (3,48 Euro) pro Monat auf 500 Rubel (14,49 Euro) pro Monat. Das fand ich dann allerdings wiederum lachhaft.

Vor allem wundert mich immer, dass Putin und Co. sich nicht schämen, solche Zahlen als Verdienst oder Errungenschaft hinzustellen. Er meinte gestern, dass er versteht, dass der neue Betrag auch nicht sooo hoch ist, aber „500 Rubel sind immerhin keine 120 Rubel“. Da hat er schon recht – aber auch von 500 Rubel, die einem ja eigentlich den Verdienstausfall ersetzen sollen, kann man nun mal überhaupt nicht leben. Und genau ähnlich ist es mit den Renten: Da sagte er, dieses Jahr seien die Renten um 200 Rubel pro Monat höher gewesen als im Vorjahr, das sei natürlich nicht viel. Aber nächstes Jahr werden sie dafür mehr angehoben, da gäbe es dann 350 Rubel mehr pro Monat. Toll! Die frisst doch alleine die Inflation auf! Und mal ganz nebenbei bemerkt: Damit liegen die – offiziell staatlich festgesetzten – Renten unter dem – staatlich festgesetzten – Existenzminimum…

Was zu Weihnachten nicht fehlen darf

Man kann sagen, was man will, aber Weihnachten in Deutschland hat doch irgendwie was besonderes. Allein all die ganzen Leckereien, die so dazugehören… Das ist nun mein drittes Weihnachten in Russland, wo ja dank der Kalenderverschiebung alle kirchlichen Feiertage irgendwie hinterherhinken. Insofern ist es zur deutschen Weihnachtszeit (und generell) hier halt nicht besonders weihnachtlich, und zur Krönung muss ich dieses Jahr die Feiertage nun erstmals auf Arbeit verbringen. Naja.

Dafür haben wir am Wochenende aber so gut wie möglich versucht, zusammen mit lieben Freunden bei uns zu Hause „deutsches Weihnachten“ nachzuspielen, und es war richtig schön. Leider liegt meine ganze Deko samt Weihnachtspyramide von der Oma immer noch in einer Kiste bei meinen Eltern im Keller, aber unser kleines Kunsttännchen sieht auch dieses Jahr wieder richtig niedlich aus, und die original  Crottendorfer Räucherkerzchen räuchern auch ohne Räuchermännchen. Dazu Kerzenlicht, der Duft von Apfelsinen, Glühwein und Lebkuchen, sogar ein richtiger Dresdner Stollen (Gruß an den Zimdriver aus dem Forum!) und – tatatata – mein erster Gänsebraten, ein wenig zäh, aber trotzdem lecker mit Klößen und Rotkraut:

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Autofahren in Moskau II

Eins der schwierigsten Unterfangen im Moskauer Straßenverkehr ist das Linksabbiegen, und das gleich aus mehreren Gründen:

  • Erstmal muss man eine Stelle finden, wo man überhaupt links abbiegen darf, und das kann schon mal einige Kilometer dauern – die Straßenführung ist schlecht, Hinweisschilder fehlen, und das Überqueren einer zweifachen durchgehenden Markierung kann ganz schön teuer werden.
  • Wenn man dann eine geeignete Stelle gefunden hat, meistens an einer Ampelkreuzung, steht man da selten allein, und die Ampelphase ist kurz. Und weil das so ist und der gemeine russische Autofahrer a) generell wenig vom Warten hält und b) das geordnete Fahren in einer Spur sowieso nicht beherrscht, ergibt das ein buntes Durcheinander.
  • Gefahren wird nicht, solange die eigene Ampel grün zeigt, sondern solange der Gegenverkehr noch nicht wirklich bedrohlich wird. Argument: Das Abbiegemanöver muss man unter allen Umständen zu Ende bringen, auch wenn es eigentlich noch gar nicht richtig begonnen hatte.

Das führt oft dazu, dass paradoxerweise die, die Grün haben, stehen, weil die, die schon Rot haben, noch fahren, und da die anderen, die bei Grün stehen müssen, ja auch fahren wollen, fahren die eben ihrerseits bei Rot. Aber seht selbst.