einmal Finnland und zurück

Da ich ja nach dem russischen Ausländerrecht einmal pro Halbjahr aus Russland raus muss und dieses Halbjahr Ende Januar abläuft, wir aber hauptsächlich aus finanziellen Gründen über Weihnachten und Neujahr keinen Heimaturlaub machen konnten, musste irgendeine Grenze her, wo man schnell und günstig hinkommt und für die wir beide kein Extra-Visum brauchen – und so fuhren wir Freitagnacht mit dem Zug nach St. Petersburg und von da aus am Samstagmorgen nach Finnland. Naja, fast.

Erstmal mussten wir nämlich überhaupt zur Grenze kommen. Ich war in meiner Naivität davon ausgegangen, dass es besser wäre, keinen Shop-Tour-Bus von St. Petersburg aus zu nehmen, sondern nach Vyborg, das laut Internetinfos ein hübsches Städtchen nach europäischer Manier nahe der russisch-finnischen Grenze sein soll, und von dort aus weiter in die erstbeste finnische Stadt zu fahren, dort ein bisschen herumzuspazieren und dann am späten Nachmittag wieder zurückzufahren. Bis wir in Vyborg herausgefunden hatten, wo und wann irgendein Bus nach Finnland fährt, mussten wir einige sehr unfreundliche Antworten und auch einige Minusgrade ertragen, und erst gegen zwei Uhr kamen wir dann endlich aus diesem grauen, miesen und gar nicht hübschen Kaff weg und über einen märchenwaldähnlichen Landstrich (kein Wunder, Grenzgebiet mit Schranke und so und richtigem weißen Schnee!!!) zur Zoll- und Grenzabfertigung.

Über die russische Grenze ging’s recht schnell, dann stürzten alle außer uns ins Duty Free, und weiter ging es zur finnischen Grenzstation, die für uns auch die Endstation war. Als nämlich alle Passagiere abgefertigt und in ein gläsernes Wartehäuschen verfrachtet waren, nahmen die Finnen sich den Bus vor. Der wurde dann in einer speziellen Box genauer unter die Lupe genommen, und wir wollten uns schon freuen, als er 40 Minuten später da wieder rausrollte, aber zu früh. Unser Fahrer, auch ein Finne, watschelte in Begleitung der Grenzer wieder ins Abfertigungsterminal und ward nicht mehr gesehen. Für unseren Ausflug in die nächste finnische Stadt wurde die Zeit knapp und knapper, denn wir mussten ja abends irgendwie auch wieder zurück, und Andrej war schon reichlich nervös. Also entschieden wir schließlich gegen fünf Uhr, unser Finnland-Abenteuer zu beenden und zum Abfertigungsterminal zurückzugehen, allerdings auf die andere Seite, wo die Kontrolle zur Ausreise aus Finnland stattfindet. Unsere Pässe waren schon abgestempelt, wir waren quasi schon nach Finnland eingereist, und schon der zweite Busfahrer, den wir fragten, war für 30 Euro bereit, die finnischen und russischen Grenzer ein wenig zu beschummeln (die kriegen eine abgestempelte Passagierliste) und uns nach St. Petersburg mitzunehmen, wo wir schließlich gegen 22 Uhr ankamen.

Immerhin haben wir ja trotzdem das geschafft, worauf es ankam: Grenze überqueren, Stempel in den Pass bekommen und neue Migrationskarte für mich holen. Juhu!!! Und wir hatten einen recht gemütlichen Aufenthalt im Hotel „Rossia“ und noch einen sehr schönen Sonntag in St. Petersburg, bevor es wieder mit einem Nachtzug zurück nach Moskau ging. Aber darüber gibt’s vielleicht mal einen Extra-Eintrag. Nach Finnland jedenfalls fahren wir nie wieder!

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