im Osten nichts Neues

Freitag ist heute, ich bin müde – seit dem Finnland-Abenteuer hab ich immer noch ein Schlafdefizit, aber bei täglichem Aufstehen um 5:40 kriegt man das früher oder später auch ohne weite Reisen. Vorgestern gab’s eine Warnung vor Terroranschlägen in der Metro und so, die wurde mittlerweile abgeblasen. Bin mir auch gar nicht so sicher, ob das nicht einfach nur eine PR-Geschichte war. Manche russischen Zeitungen haben da ihre Version, ich denke mir auch meinen Teil (und im Aktuell.ru-Forum hab ich sogar ein bisschen laut gedacht:) 

Wenn die Leute sich gedanklich mit möglichen Anschlägen in der Metro beschäftigen und Vater Staat mit seiner Miliz und deren Hunden Präsenz zeigt, hat das für mich noch paar andere Nuancen:
1. Die Leute haben dann keine Zeit, sich Gedanken zu machen, warum trotz lauem Winter die Heizkosten steigen, warum sich in der Sozialpolitik nichts tut etc.
2. Selbst wenn sie doch drüber nachdenken, sehen sie ja anhand der vielen Milizionäre, dass Vater Staat sich trotzdem gutmütig um sie kümmert und halt wegen der bösen Terroristen nur keine Möglichkeit hat, die anderen Probleme zu lösen.
3. Böse Terroristen sind sowie an allem schuld, und die geben auch immer mal wieder Anlass zu verschärften Kontrollen aller Art, Einschränkungen von Freiheitsrechten etc. Vielleicht muss ja auch nur ein dicker Skandal vertuscht werden, und damit die Medien den nicht entdecken, kriegen sie halt ein anderes „brennendes“ Thema für ihre Titelseiten.

Was haben wir sonst noch an Neuigkeiten? Der Ölstreit mit Weißrussland ist beigelegt, jetzt kabbelt man sich gerade wieder mit Estland rum, weil die ein Denkmal für im 2. Weltkrieg gefallene Sowjetsoldaten in Tallin einfach beseitigen wollen. In Estland halten viele ja die deutschen Soldaten (des 1. und 2. Weltkrieges) für die wahren Befreier von der „russisch-sowjetischen Besatzung“, und so piesackt man heutzutage eben gern Russland, wo es nur geht. Aber das ist ein anderes Thema. Den russischen Botschafter in Georgien, der letztes Jahr nach dem Spionage-Konflikt abberufen wurde, hat Putin gestern wieder nach Tiflis geschickt, es scheint sich also das Verhältnis zu Georgien auch entspannt zu haben. Aus der Ukraine hört man derzeit nur, dass die Krim-Tataren ein wenig Unruhe stiften, sonst ist alles ungewöhnlich ruhig. Gut so.

Ich will die russische Politik ja nicht in Schutz nehmen, die bei Konflikte leider oft nicht besonders feinfühlig oder diplomatisch reagiert, aber irgendwie ist es schon Mist, wenn die kleinen Nachbarn dem großen Russland ans Schienbein treten und jede Handlung der Russen zur Wahrung ihrer Interessen immer gleich als politischer oder wirtschaftlicher Druck ausgelegt wird. Die USA hätten vermutlich die Ukraine oder Weißrussland gleich annektiert, wenn die sich aus amerikanischen Erdölleitungen was abgezapft hätten, und Estland hätte bestimmt schon diverse Handelsembargos und UN-Resolutionen für die Diskriminierung von Nicht-Esten kassiert. Leider wird bei Russland halt oft mit einem anderen Maßstab gemessen…

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