Ein Gebet

…hat, glaube ich, fast jeder irgendwann schon mal gesprochen, egal, ob er/sie nun gläubig ist oder nicht. Gestern nun haben Andrej und ich das erste Mal zusammen gebetet, also nicht nur nebeneinander stehend jeder still für sich aus dem orthodoxen Gebetbuch oder jeder seins, sondern zusammen, hörbar, persönlich. Für mich war das sooooo wichtig… und befreiend. Zum einen, weil ich mir lange schon gewünscht habe, mit Andrej gemeinsam zu Gott zu sprechen. Zum anderen, weil nun endlich jemand mit mir betet und mir so hilft, nicht in meiner eigenen Sprachlosigkeit zu versinken, die zu überwinden (z.B. nach Hänge-, Müdigkeits-, Faulheits- und anderen Zeiten) alleine nicht gerade leicht ist, in Gemeinschaft dagegen schon eher.

Dem Ganzen voraus ging ein recht kurzes, aber tiefes Gespräch über Gott und Seine Nähe und die Wichtigkeit des Gesprächs mit Ihm, ohne das es keine Gemeinschaft mit Ihm gibt. Andrej zieht Gewinn vor allem aus den Gebeten orthodoxer Kirchenväter, die im Gebetbuch zusammengefasst sind, und die sind auch wirklich gut – ich nutze die auch ab und zu, aber es sind nun mal nicht meine Worte. Andrej sagt, er profitiert von der geistlichen Erfahrung der Männer, die diese Gebete zusammengestellt haben, da man Beten erst lernen muss – dem stimme ich zu, aber ich muss doch irgendwie auch meine eigenen Empfindungen, Gedanken und so zu Gott tragen. Unser geistlicher Mentor in Moskau, Vater Aleksej, sagte mal, dass die Gebete aus dem Gebetbuch dann eine besonders wichtige Rolle spielen, wenn das Herz quasi kalt ist – dass man sich also wenigstens an diesen Gebete festhält und überhaupt mit Gott spricht. Das finde ich eigentlich ’nen guten Ansatz. Und wenn das Herz für Gott brennt, sagte er, braucht man das Gebetbuch kaum, dann fließt das eigene Gebet sowieso über. Und da will ich wieder hin. Mein Liebster findet es schade, dass ich mich in der (orthodoxen) Kirche hier  nicht so angenommen und angekommen fühle… denn auch wenn mir die Orthodoxie mittlerweile vertraut ist und ich vieles verstehe und einiges in mein geistliches Schatzkästlein übernehme und gern in diese Kirche gehe, heißt das nicht, dass ich alles, was ich vorher hatte, vergesse und über Bord schmeiße. Es geht nicht, und das will ich auch nicht, obwohl es manchmal schon schwierig ist, so zwischen zwei Stühlen zu sitzen…

Edit und PS: Habe übrigens darüber nachgedacht, ob ich zum Thema „russische Orthodoxie“ mal eine Unterrubrik dieser Seite aufmache, weil das ja doch für die meisten MaNus-Leser ein eher unbekanntes Kapitel ist, das mich zum einen selber interessiert und persönlich betrifft, zum anderen hab ich ja hier quasi Zugang zur Quelle. Bin dafür und werde mich also demnächst ans Basteln machen. Siehe dann hier.

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