Warum müssen immer alle drängeln, schieben, schubsen?

Das ist eine Frage, die ich mir gelegentlich stelle und für die ich bisher noch keine Antwort gefunden habe. Auch heute früh nicht.

Da Andrej mal wieder Kundendienst sonstwo hat, fuhr er heute nicht nach Moskau, und ich entschied mich für die Elektritschka statt den Express-Bus nach Moskau – geht im Zweifel schneller, und ich kann eine halbe Stunde später aufstehen. Bis zur Bahnstation muss man aber auch Bus fahren, und da die Fahrplanmacher scheinbar davon ausgingen, dass am 8. Februar morgens niemand zur Arbeit muss, fuhr heute eben ein kleiner Bus. In den konnte sich spätestens nach meiner Haltestelle kaum noch jemand reinquetschen, weil er nach deutschen Maßstäben schon absolut überfüllt war, aber es stiegen trotzdem noch einige Leute ein – und dann noch welche und später noch welche, wenn man das denn „Einsteigen“ nennen kann. Nach einer 20-minütigen Fahrt in dieser Sardinenbüchse an der Endhaltestelle (Bahnstation) ging es los: aus der hintersten Ecke des Busses pressten und drückten sich einige mit Gewalt zum einzigen Ausgang, wo die, die im vorderen Teil des Busses zusammengefaltet standen, nach und nach ihre Körperteile auseinandersortierten und ausstiegen. Die Tür ist schmal, die Treppe ist rutschig, alle standen enggedrängt – und dann diese … hmpf… Drängler! Als ob die Bahn, die da gerade kam (und sie war noch nicht mal richtig da) die einzige wäre und man die nun auf Gedeih und Verderb erwischen muss…

Weiter ging es in der Metro: Durch die Schranke kommt man kaum durch, weil vor den Rolltreppen, die nach unten führen, eine Menschentraube steht und wogt. In die muss ich auch jeden Tag rein, und ich versuche immer, genug Abstand zu halten, um meinen Vorderleuten nicht in die Hacken zu treten. Aber da gibt es immer einige, die meinen, dass nur sie es besonders eilig haben, und dann quetschen sie sich an einem vorbei oder knuffen und stoßen einen in den Rücken und in die Seite oder springen einem beim Überklettern von Absprerrungen auf die Füße, ohne Rücksicht auf Verluste. Na und auf dem U-Bahnsteig ist es auch immer das Gleiche: man steht und wartet dort, wo sich dann, wenn der Zug hält, dessen Türen öffnen, und dann stürzen sich manche wie die Geier dort rein, als ginge es nicht um einen Sitzplatz, sondern ums blanke Überleben. Wer da nicht schnell genug aus- oder einsteigt, wird gnadenlos überrannt.

Mein Kollege meinte, das liegt daran, dass zu wenig Züge, Busse, Bahnen fahren und deswegen alle immer Angst haben, dass sie zu spät kommen, wenn sie ausgerechnet diesen Bus oder Zug nicht erwischen. Das stimmt aber nur zum Teil, und im Übrigen ist es im Straßenverkehr ja auch nicht anders: An der Ampel gibt es immer einige, die sich nicht hinten einreihen, sondern sich an den anderen Autos vorbei ganz nach vorne schieben. Dass sie dabei die andere Spur blockieren, ist ihnen wurscht. Und dann können viele auch nicht abwarten, bis es grün wird, und fahren halt schon los, wenn die Ampel für sie noch rot zeigt.

Ich frage mich: Woher kommt diese entsetzliche Ungeduld, die die Leute dermaßen verrückt macht und daran hindert, noch zwei-drei Sekunden auf grünes Licht oder anderthalb Minuten auf die nächste U-Bahn zu warten? Was bringt oder zwingt die Leute dazu, wie eine wildgewordene Hammelherde zu drängeln, zu schieben, zu schubsen? Was ist bloß los, dass die Leute leichtsinnig Unfälle riskieren oder Unmut und böse Worte provozieren, nur um ein bißchen schneller vorwärts zu kommen als alle anderen? Ich versteh das nicht.

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3 Antworten

  1. dieses Verhalten nennt man Mentalitaet!!!

  2. Da wäre ich nicht so sicher. Im Übrigen würde ich es schätzen, wenn du beim Kommentieren wenigstens einen Namen hinterlässt…

  3. Tatsache ist:Da ist der Mensch selbst dran schuld, weil er sich zu oft reproduziert hat. Es liegt an zuviel Menschen. Ich war bei solchen Menschenaufläufen bisher immer sehr rücksichtsvoll und habe nie gedrängelt. Doch heute ist mir der Kragen geplatzt und ich bin wie ein wütender Stier durch die Menge gepest. Hat mir nen geilen Adrenalinschub verpasst übrigens. Habe ein paar Beschwerden bekommen deswegen. Aber so sollte ichs öfter machen, die Leute sind mir doch tatsächlich ausgewichen, bei meinen Agressionsausbrüchen zusammengezuckt. Machs doch einfach wie ich, die Menge stiebt auseinander wenn du dich wie eine Dampfwalze benimmst. Garantiert!!! Ich hasse übrigens solche Drecksweiber, die unentschlossen mit ihren Stöckelschüchen(mein Hassobjekt) unenschlossen in überfüllten Zügen umhertrippeln und damit die Menge aufhalten. Mein Traum wäre es, eine solche Tussihorde in einer überfüllten Bahn zu puschen und damit einen Tussiaufschlag zu verursachen. Man, ich höre schon die Knochen lustig knacken!!! Ich sage nur, schubse ein wenig, erzeuge den richtigen Impuls und die Menschentraube fällt wie ein Dominoturm und während die mit Fallen beschäftigt sind, hast du freien Durchgang! Bahn frei für die Ramboqueen!RUMMMMS!

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