traurig

Schon wieder häufen sich die Katastrophen in Russland, es ist zum Heulen. Erst am Wochenende verunglückte ein Flugzeug bei der Landung in Samara – es kam bei schlechtem Wetter und dichtem Nebel vor der Landbahn auf der Erde auf, blieb mit einem Flügel hängen und zerbrach. An Bord waren nur 57 Menschen einschließlich Besatzung, 6 kamen ums Leben. Und die Schuld wurde von offizieller Seite gleich erstmal dem Piloten angelastet, das macht man hierzulande gern. Dass bei diesem alten Flugzeug die entscheidenen Instrumente schon mal ausgefallen waren und von den  Fluglotsen unten im Tower keine Warnung über die zu geringe Höhe und die Kursabweichung kam, wurde nur nebenbei erwähnt. Im vergangenen Jahr gab es mindestens zwei weitere Flugzeugunglücke (in der Nähe von Adler, als der Pilot eine Gewitterfront zu überfliegen versuchte, weil für einen Umweg der Sprit nicht reichte, und in Irkutsk, wo der Flieger über die Landebahn hinaus in einen anliegenden Garagenkomplex raste), und auch da wurden die Piloten für schuldig befunden.

Gestern Morgen starben bei einem Grubenunglück im Bezirk Kemerovo um die 100 Bergleute, 93 wurden gerettet, ca. 30 werden noch vermisst. Irgendwas ist da eingestürzt, woraufhin eine Methanwolke in den Schacht kam, die dann eine heftige Explosion ausgelöst hat. Und auch das kommt in den letzten Jahren mit erschreckender Regelmäßigkeit vor.

Heute Nacht nun ist in der Region Krasnodar ein Altenheim ausgebrannt, von 97 Bewohnern und Betreuern kamen 63 ums Leben. Auch das bei weitem kein Einzelfall. Erst im Dezember brannten an einem Tag gleich drei soziale Einrichtungen – zuerst im Bezirk Tverj ein Internat für psychisch kranke Kinder mit 300 Personen (zum Glück ohne Opfer), dann eine Klinik für psychisch Kranke mit 235 Insassen und 7 Betreuern im Bezirk Kemerovo (9 Tote), zuletzt eine Drogenklinik für Frauen in Moskau, in der dank vergitterter Fenstern und Türen 45 Frauen starben.

Jedes Mal, nachdem wieder so etwas schreckliches passiert ist, gibt es einen Riesenrummel – es werden Untersuchungskommissionen gebildet, man verspricht den Opfern und Angehörigen Kompensationszahlungen und kündigt strenge Maßnahmen an. Bis zum nächsten traurigen Vorfall. Die Kommissionen mögen sogar gewisse Mängel anderswo finden und aufdecken – aber die tatsächlich ergriffenen Maßnahmen, so scheint es, sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Wer will schon Geld in alte Flugzeuge investieren, die innerrussisch verkehren, wer will den Schwarzhandel mit billigen und runderneuerten Ersatzteilen unterbinden, wer will die Betreibern der Bergwerke, die bestimmt gute Schmiergelder zahlen, zur Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften zwingen, und wer kümmert sich denn wirklich um die Alten, Behinderten und Kranken hier in Russland???

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