der Rubel rollt – oder auch nicht

Gestern, als ich so ein wenig durch die gesetzgeberischen Neuerungen des letzten Monats stöberte, um unser monatliches Informationsblatt zum russischen Recht zusammenzubasteln, stieß ich auf die Meldung, dass der Präsident einen „Erlass zur Änderung der allgemeinen Prinzipien des dienstlichen Verhaltens von Staatsbediensteten“ herausgegeben hat. Dieser Erlass fordert die Beamten dazu auf, bei öffentlichen Auftritten, auch in den Medien, den Wert von Geldbeträgen, die sich auf Waren, Dienstleistungen etc. in Russland oder rein-russische Rechtsgeschäfte beziehen, nicht in ausländischer Währung anzugeben, sofern das nicht gesetzlich vorgesehen oder zur genauen Angabe der Summe erforderlich ist. Diese Maßnahme soll vorrangig das Vertrauen der Bevölkerung in die einheimische Währung stärken.

rubel-kl.jpgErst fand ich das irgendwie blödsinnig. Als ob der Nichtgebrauch der Bezeichnungen „Dollar“ und „Euro“ irgendeinen Einfluss darauf hat, wie sich der Rubel und die allgemeine Einstellung zu ihm entwickelt. Andererseits ist es schon komisch, wenn in Russland Preise oder Lohn – wie das immer noch weit verbreitet ist – in Dollar oder in sogenannten bedingten – sprich: an den Währungskurs geknüpften – Einheiten (uslovnye jedinitsy, abgekürzt y.e.) angegeben werden und manche Sachen auch in Dollar bezahlt werden – z.B. bekommen viele „grauen Lohn“: eine kleinen Teil offiziell und versteuert in Rubel, den Rest in Dollar in einem Briefumschlag. Wahrscheinlich gibt es deswegen in Moskau auf Schritt und Tritt Umtauschpunkte, und die Russen, die ein Bankkonto haben, haben meistens eins für Rubel und eins für Dollar oder Euro oder beides. Gespart wird immer noch hauptsächlich in „stabiler“ ausländischer Währung, obwohl der Rubel seit Juli 2006 frei konvertierbar ist.

Zum Thema Bankkonto auch noch ein paar interessante Fakten: Nach der Krise 1998, in der viele Banken in Russland pleite gingen und viele Russen ihre Ersparnisse verloren, ist man Banken gegenüber immer noch sehr skeptisch. Laut einer Umfrage vom Sommer 2006 haben nur 32% der Bevölkerung in Russland Bankkonten oder Spareinlagen. Von den verbleibenden 68% nutzen 27% (das sind 18% der Gesamtbevölkerung) Bankdienstleistungen für Bezahlung von Nebenkosten oder Telefongebühren, für Verbraucherkredite oder Überweisungen an Dritte. Gut die Hälfte aller Russen verzichtet also ganz auf Bankdienstleistungen. Außerdem waren 52% aller Befragten der Meinung, dass es riskant sei, sein Geld den Banken anzuvertrauen. Ich finde das Bankensystem in Russland übrigens auch reichlich kompliziert und unbequem, schon weil damit wieder ein Haufen Papierkram verbunden ist. Aber ich hab meine paar Rubel dann doch lieber auf einem Konto als im Sparstrumpf zu Hause.

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