für den ganz großen Durst

In einem Metro-Waggon gesehen:bier1.jpg

„Arsenalnoje tradicionnoje 2,5 Liter – das reicht für alle!“

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„Tolstjak (Dicker) 5 Liter – das ist erwachsen, Männer!“

Natürlich in der Plastik-Wegwerfflasche – pardon, Kanister. Dann mal Prost! (Ich hoffe übrigens, dass man in Deutschland – abgesehen natürlich vom traditionellen Fass oder Fässchen – niemals anfängt, Bier in Großpackungen anzubieten. Finde ich irgendwie wenig kulturvoll.)

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keine Lust zu nix

Bin träge, müde, öde oder bald blöd im Kopf (schöne Umlautesammlung) von der Hitze. Warum muss ausgerechnet jetzt die Klimaanlage im Büro kaputt gehen? Der Handwerker ist schon bestellt – und kommt in drei Wochen. Das war der frühestmögliche Termin. Service ist in Russland und sogar in Moskau noch ein echtes Problem, da ist nix mit „mal eben dringend“. Das betrifft übrigens auch die regelmäßigen Durchsichten, die ein Neuwagenbesitzer mit seinem Autochen machen muss. Zwei Monate Wartezeit, und von Ersatzwagen für die Zeit, die der Service in Anspruch nimmt, ist sowieso keine Rede. Auch bei Unfällen.

Außerdem nervt der Baulärm, der vom Nachbarhaus kommt, da wird gerade der Innenausbau gemacht. Naja, wenn man das so nennen darf. In Russland muss man nämlich paradoxerweise in einer nagelneuen Wohnung, die dem stolzen Eigentümer schlüsselfertig übergeben wird, erst mal „remont“ machen, also sprich – sie renovieren. Meistens sind da nämlich die allerbilligsten oder keine Sanitäranlagen drin, nackte Wände oder abblätternde Tapeten, kahler Betonfußboden, ganz zu schweigen von Steckdosen und Lichtschaltern.

Ich würde ja gern schon vor einer halben Stunde gegangen sein, denn ich hab wenig zu tun hier heute und sitze sonst meistens länger, aber nach dem, was ich gerade gehört habe… Überstunden werden nicht bemerkt oder als selbstverständlich hingenommen. Aber wenn einer mal eher oder wenigstens pünktlich gehen will, dann wird registriert der Chef das sofort. Ist sein Business, klar, dass er sich reinhängt, und alle ziehen nach Kräften mit. Aber ein gesundes Mittelmaß sollte man schon einhalten – wir sind nun mal halt nicht alle solche workaholics wie er und mit unserer Arbeit quasi verheiratet. Das Bismarck’sche Motto „Zuckerbrot und Peitsche“ gebraucht übrigens auch mein Chef gern, allerdings in der russischen Fassung „knut i prjannik“. Und da kommt die Knute vor dem Lebkuchen (wörtliche Übersetzung), und mein Chef vergisst, dass der Spruch nach der Knute noch weitergeht. Naja. Ich hatte ja schon mal was vom Wind der Veränderung geschrieben…

ein Gedicht

Nachtgedanken (Original von Heinrich Heine, zu finden u.a. hier)

Denk ich an Russland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.

Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Heimat nicht gesehn,
Zwölf Monat’ sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.

Mein Sehnen und Verlangen wächst,
Denn hier ist manches wie verhext.
Ich denke insgeheim: Warum
sind grade Wege hier so krumm?!

Warum fährt ohne Ruh’ und Rast
Im Auto jeder, wie’s ihm passt?
Warum sucht die Miliz erpicht
nur Geld von dem, der Regeln bricht?

Warum x spravki, x Papier’,
X Stempel – allein für’s OVIR?
Warum trotz Visum registrieren?
Warum muss man Beamte schmieren?

Auch muss recht schmerzlich ich vermissen
Gar manchen deutschen Leckerbissen
Wie leck’re Brötchen, gute Wurst
Und g’scheiten Wein und Bier für’n Durst…

Nach Deutschland lechzt‘ ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Heimat dorten wär
Mit Orten, altvertraut-bekannten,
Mit lieben Freunden und Verwandten…

Seit ich das Land verlassen hab,
Denk oft ich: Moskau wird mein Grab,
Das ich geliebt einst – doch, oh Schreck,
Die heiße Lieb’ ist leider weg.

Doch hab ich Russland nicht verflucht,
Ich hab’s ja selber ausgesucht,
Drum will nicht jammern ich hier, nein,
Sondern in Maßen glücklich sein:

Also! Durch meine Fenster bricht
Moskauer graues Tageslicht;
Und seh den Liebsten ich am Morgen,
sind fast vergessen alle Sorgen.

(c) Manu am 28.05.2007

hitzefrei

… wäre heute eigentlich eine prima Idee:hitzefrei1.jpg
Quelle:
http://mercator.ru/termometr/ 

Jetzt in Moskau: 34,4 Grad C
Maximum heute: 35,4 Grad C (um 12:50)
Minimum heute: 22,9 Grad c (um 05:00)
Durchschnitt: 27,7 Grad C

Kein Wunder, dass in Russland alle von globaler Erwärmung reden…

Ach ja…

… heute könnte der unbedarfte ausländische Betrachter mal wieder in Versuchung kommen zu denken, dass  irgendein besonderer Feiertag des Restaurant- und Hotelpersonals ist:

 poslzvonok.jpg
Foto (c) englishrussia.com

Ich zumindest wäre ja damals, im Jahr 2000, nie drauf gekommen, dass die jungen Damen einfach „poslednij zvonok„, das letzte Klingeln bzw. ihren letzten Schultag feiern. Die Kleidung erinnert an das Outfit der typisch sowjetischen Erstklässlerinnen. Und ich Dussel hab das damals für ’ne Kellnerschürze gehalten 🙂

Pfingstwetter

Wenn andere schon kein Glück mit dem Pfingstwetter haben, kann ich das von uns ja nun gerade nicht behaupten:

pfingstwetterkl.jpg

Die anderen Wetterfritzen ignoriere ich inzwischen. Hab keine Lust mehr auf’s Wetterraten, die scheinen nämlich ihre Vorhersagen mit dem Würfel auszuknobeln.

Schau(r)ma mal

Hab eben interessiert gelesen, dass jemand Schawarma mag… Also ich kenne Schaurma (wie das hier in Moskau heißt) auch, und wenn das das Gleiche ist wie Schawarma (wovon ich nach einem Blick in die Wikipedia ausgehe), muss ich leider sagen, dass ich die hiesigen Exemplare einfach nur widerlich finde. Ein einziges Mal habe ich eine wirklich leckere Schaurma  gegessen, meine allererste war das, aber der Laden wurde dichtgemacht, und ich habe mir nach diversen Enttäuschungen und einem verdorbenen Magen geschworen: Nie wieder. Dann warte ich lieber auf den nächsten Heimaturlaub und diverse Dönerbuden – mein Liebster und ich überlegen, in jedem Ort mindestens einen Döner zu essen (er mag die auch, seit er vor zwei Jahren in Passau den ersten probiert hatte), aber da wir nur zwei Wochen da sind und doch ziemlich viele Orte besuchen und ich außer Döner doch noch was anderes essen will… aber Döner ist also wirklich etwas, das ich hier vermisse.

Wenn es wenigstens gescheite Imbiss-Buden gäbe… aber das ganze Schnellessen, das hier vor allem an den Eingängen zur Metro in diversen Buden angeboten wird, kann man(u) sich wirklich nicht antun. Einzige Ausnahme ist vielleicht noch „Kroschka Kartoschka“ (heißt soviel wie „Krümel Kartoffel“), die haben Backkkartoffeln (die komischerweise immer kleiner werden) und diverse Füllungen dafür. Ansonsten Piroschki mit wenig Füllung (die sehr lecker sein können, wenn sie frisch und selbstgemacht sind), fettige Tschebureki (das sind fritierte große Teigtaschen mit Hackfleisch drin, das übrigens gut von den Hunden stammen könnte, die in den Metroeingängen schlafen), gegrillte Hühnchen (die man ja nicht mal eben nebenbei verdrücken kann) und allerhand Backwaren, aber eben immer nur weißer Hefeteig – nix von wegen leckeren Brötchen mit ’nem Würtchen drin oder frische Sandwiches oder so… ach seufz.

Ich muss doch irgendwann umsatteln und meine kleine Bäckerei eröffnen…