ein Schritt vorwärts, zwei zurück

Moin. Habe eben eine eigentlich positive Nachricht gelesen: Seit gestern gibt es bei der RZD, das ist die russische Eisenbahn, die Möglichkeit, seine Zugtickets elektronisch zu kaufen. Wer weiß, wie der Ticketkauf in Russland üblicherweise funktioniert, wird sagen: Ein Riesenfortschritt! Das dachte ich auch.

Wenn man in Russland nämlich üblicherweise ein Zugticket kaufen will, dann ist das grad vor Feiertagen und in der Ferienzeit ein echtes Problem, weil die Bahn wegen der weiten Entfernungen und der für viele Reisende zu teuren Flugtickets eine gut genutzte Alternative ist. 45 Tage vor dem Reisedatum beginnt der Verkauf der jeweiligen Fahrkarten. Und in der Hauptreisezeit stürzt dann alles zum Bahnhof, weil man sonst nämlich später keine Fahrkarten mehr kriegt. Der Reisende muss in der Regel persönlich am Bahnschalter antanzen mit Pass und evtl. den Pässen seiner Mitreisenden (denn die Tickets werden auf Namen und meist mit Platznummer ausgestellt) und am besten schon mit genauen Vorstellungen, in welchem Zug mit welcher Nummer er wann von wo bis wo in welcher Wagenklasse mitfahren will. Weiß er das nicht, dauert es lange. Unter hinter ihm steht eine Schlange. Die Schlange ist lang, die Bedienung oft langsam, der Schalter schließt immer mal zu den unmöglichsten Zeiten für eine „technische Pause“. Ein äußerst unbequemer Prozess – mal eben kurz vor Losfahrt eine Fahrkarte kaufen geht zwar schon auch, aber eben nicht vor Feiertagen und in der Ferienzeit, wenn sich halb Russland auf Völkerwanderung in heimatliche Gefilde fernab der großen Städte begibt.

Nun wurde das E-Ticket eingeführt, und in der Meldung stand, dass man vom heimischen Computer über’s Internet mit Hilfe einer Kreditkarte seine Fahrkarten kaufen kann. Wunderbar, dachte ich mir, nie wieder Schlange stehen.  Aber zu früh gefreut, man muss nämlich trotzdem zum Bahnhof und in die Schlange (wenn auch nunmehr dann, wann es einem selber passt), um nämlich sein tolles E-Ticket in ein richtiges Ticket umzutauschen. Klasse. Und weil das E-Ticket ja ein zusätzlicher Service ist, kostet es auch gleich mal 125 Rubel (ca. 3,50 Euro) mehr.

Ich versteh das nicht – beim Fliegen geht es doch auch ohne Tickettausch, man spart dem Personal Arbeit und dem Anbieter Kosten. Aber nein, die russische Bahn bremst ihren eigenen Fortschritt aus. Schade.

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