was man so „restaurieren“ nennt

So, jetzt ist genug Zeit vergangen seit meinem letzten Miesmach-Beitrag, da kann ich auch mal wieder über was Negatives schreiben. Und zwar darüber, dass ich es ganz schrecklich und schade finde, wie hier mit den letzten verbliebenen historischen Ecken von Moskau umgegangen wird. Stalin hat ja seinerzeit schon viel kaputt gemacht, aber unter Juri Luzhkov, Moskaus Langzeit-Oberbürgermeister, hat das noch mal ganz andere Ausmaße erreicht. Dass seiner Frau eine der größten russischen Baufirmen gehört, sei hier nur mal nebenbei erwähnt. Jedenfalls: Die Baubranche in Moskau boomt. Bürogebäude , elitätere Wohnhäuser und Einkaufstempel wachsen wie Pilze aus dem Boden. Und anstatt die historische Bausubstanz zu nutzen, wird die vielerorts einfach abgerissen oder das fraglichge Gebäude brennt „ganz zufällig“ ab, na, und was will man da noch machen? Danach kommt dann das, was man in Moskau „Restauration und Neubau“ nennt.

Solche Brände und Nacht-und-Nebel-Abrissaktionen sind auffallend häufig. Kein Wunder, denn Quadratmeter in Moskaus Zentrum sind Gold wert. Und wer braucht schon historische Gebäude? Das Viertel um die ulica Ostozhenka, wo ich arbeite, ist bestes Beispiel dafür, wie sehr Moskau sein Gesicht verliert. (Beweisfotos werden nachgeliefert.) Ich finde sowieso, dass Moskau außer seinen Kirchen und den Hauptsehenswürdigkeiten – Kreml, roter Platz, Basiliuskathedrale – immer weniger aufzuweisen hat, weshalb es sich lohnt, hierher zu kommen. Liebe Touristen, fahrt nach Petersburg! Aber den Moskauer Stadtvätern und Geldgebern ist das wurscht. Der Rubel rollt, die Immobilienpreise klettern immer noch, da kann man keine Rücksicht auf sentimentale Erinnerungen an Moskaus Vergangenheit nehmen.

Mittlerweile regt sich Widerstand, es gibt Bürgerinitiativen, und auch die Medien greifen das Thema auf. Die Moskauer Regierung hat daraufhin eine Verordnung erlassen, die das Bauen im Stadtzentrum nun massiv einschränkt. Dass von „jetzt“ keine Rede sein kann, weil bis über das Jahr 2010 hinaus schon Baugenehmigungen erteilt sind, wurde nicht erwähnt. Der Raubbau geht also weiter.

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