Russland feiert Geburtstag

Wenn Andrej seine Gedanken deutsch ausdrücken würde, hätte er wahrscheinlich gesagt: „Wieder so ein Feiertag, den die Welt nicht braucht.“ Der Tag Russlands wurde – wie schon der Tag des Sieges (am 9. Mai) – wieder zu einer Patriotismus-Werbeveranstaltung hochstilisiert – mit Schleifchen in den Nationalfarben, die von den wie Pilzen aus dem Boden schießenden Jugendbewegungen „Nashi“ (die Unsrigen), „Mestnije“ (die Hiesigen) und „Molodaja Gvardia“ (die Junge Garde) unters Volk verteilt werden. Immer gleiche Reden über das aufstrebende Russland und seine helle Zukunft, über Patriotismus und Demokratie und so. Und als Höhepunkt ein Riesenkonzert auf dem Roten Platz, kostenlos und wahrscheinlich mit Feuerwerk hintendran. Jaaaaa… diese Werbeveranstaltung lässt der Staat sich was kosten, es geht ja schließlich um Prestige und Image.

Außerdem muss doch endlich irgendein Feiertag gefunden werden, der nun als Nationalfeiertag seinen Dienst tun kann, nachdem der Tag der Verfassung (12. Dezember) vom Volke als solcher nicht angenommen wurde.  Der alte Staatsfeiertag, der Tag der Oktoberrevolution (7. November) wurde im Jahre 2004 abgeschafft bzw. durch einen anderen Feiertag, „den die Welt nicht braucht“, ersetzt, nämlich den „Tag der Einheit des Volkes“ (4. November) im Gedenken an die Vertreibung der polnischen Besatzer aus Moskau im Jahre 1612. So ganz weg vom Novemberdatum wollte man scheinbar nicht, und ein anderes passendes Ereignis hat sich da nun mal nicht gefunden. Aber auch dieser Tag fand nicht so recht Anklang beim Volke. Und so muss nun also der 12. Juni herhalten, der ursprünglich wegen der Unabhängigkeitserklärung der russischen Sowjetrepublik (1990) ab dem Jahr 1994 „Tag der Unabhängigkeit“ hieß und dann 1998 in „Tag Russlands“ umbenannt wurde. Und der wird nun also quasi als Russlands Geburtstag gefeiert, wie man eben bei der angeblichen Live-Übertragung des Konzerts vom Roten Platz im Fernsehen immer wieder zu hören bekam.

„Angeblich“ sage ich übrigens deswegen, weil die ganze Zeit, als ich vorhin gegen 23 Uhr mal für 15 Minuten in das Konzert reinschaute, im Fernsehen  das Wort „Liveübertragung“ eingeblendet war und auf dem Roten Platz noch die Sonne schien, während ich bei einem Blick aus dem Fenster feststellte, dass es doch schon ziemlich dunkel ist. Zur Info: Moskaus Zentrum ist ca. 25 km von hier weg – unwahrscheinlich also, dass wir zeitzonenmäßig eine Verschiebung haben. Aber ohne Schummeln und Mogelei geht es wohl selbst beim Feiern nicht.

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