Sagte ich eigentlich schon…

…dass heute hier in diesem Anwaltsbüro mein letzter Arbeitstag ist? Und wie es aussieht, wird der seeehr lang… seufz…

Advertisements

gesucht und gefunden III

Irgendwie bin ich gerade selber nicht so einfallsreich, was daran liegen mag, dass diese Woche meine letzte in der „alten“ Firma ist. Eine Menge zu tun also – möglichst viele Sachen zum Abschluss bringen, Dokumente einsortieren, Kollegen Akten übergeben… und bloooß nix vergessen! Darum danke ich den Zufallsbesuchern unbekannterweise für die Inspiration und blätter mal wieder in den Suchbegriffen:

Buslinie Moskau Leipzig: Habe ich nicht gefunden. Hier gibt es Busreisen von Moskau u.a. nach Magdeburg, Hannover, Bielefeld, Osnabrück, Münster, Essen, Dortmund, Düsseldorf, Siegen, Frankfurt/M., Mannheim, Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Würzburg, Nürnberg, Stuttgart und Ulm, wobei die Tickets in der Hauptsaison je nach Ziel einfach zwischen  90 und 105 Euro kosten, hin und zurück entsprechend zwischen 140 und 160 Euro. In der Nebensaison ist es einfach 10 Euro, hin und zurück 20 Euro günstiger. Wenn man sich überlegt, dass ein Flug von Moskau nach Berlin, Düsseldorf, München, Stuttgart etc. auch unter 100 Euro zu haben ist, wenn man rechtzeitig bucht… hm. Immerhin bringt einen der Bus direkt auch in Städte, die keine Flughafen haben (also keine Extrakosten), ebenso direkt in die Aussiedler-Aufnahmelager Friedland und Unna. Und man kann etwas mehr Gepäck dabei haben als beim Fliegen. Mehr Vorteile sehe ich da aber nun wirklich nicht.

wie weit ist nizhnij novgorod von moskau: Laut Entfernungstabelle einer Spedition sind es 419 km. Interessanterweise rechnen die für diese (mein Vater würde sagen: mickrige) Entfernung 10 Stunden 21 Minuten Wegzeit ein! Klar, alle 20 km ist ein GAI-Posten  (GAI ist die Staatliche Autoinspektion bzw. Verkehrspolizei), wo LKWs gerne an- und aufgehalten werden, bis man sich auf ein angemessenes „Wegegeld“ einigt. Das kann schon mal etwas dauern.

Schwimmen in der Moskau: (Gemeint ist der Fluss, der durch die Stadt fließt.) Kann man bestimmt. Ich würde allerdings davon abraten, wenn man nicht anschließend Dauerpatient bei diversen Ärzten sein will. Zwar kommt das offiziell für brauchbar erklärte Trinkwasser auch aus irgendwelchen Trinwasserressorts der Moskva, aber das trinkt kaum jemand – zu viel Chlor und wer weiß was drin. Empfehlenswert ist aber eine Fahrt mit einer sogenannten Fluss-Straßenbahn, z.B. von der Anlegestelle am Kiewer Bahnhof bis zur Novospasski-Brücke oder andersrum. Abfahrt von 11 bis 21 Uhr alle 20 Minuten, kostet für Erwachsene derzeit 250 Rubel (= 10 Dollar), für Kinder 150, man ist ca. 1-1,5 Stunden unterwegs (man kann auch eher aussteigen) – lohnt sich sehr!

Brauche ich Visum f?e Woche Moskau: Ja! Organisiert z.B. die Visum-Centrale.

Autofahren in Russland: ist wahrlich kein Vergnügen, was man sich hier, hier und hier sowie auch da, da und da nochmals ins Gedächtnis rufen kann.

noch mehr Gewirr

Hier – weil wir gerade beim Thema sind – noch eine Sache, die man verwirrend finden könnte: Gestern Abend hat mein Schwiegervater von dem neuen Nebenjob erzählt, den meine Schwiegermutter jetzt macht – sie arbeitet tageweise als Concierge. (Da ich verwirrenderweise schon seit mehreren Tag nicht auf die Wiki-Seite zugreifen kann, kurz erläutert: Das ist jemand, der im Eingangsbereich eines Hauses sitzt und aufpasst, wer da so kommt und geht. Man könnte wohl auch Pförtner sagen.) Jedenfalls hat sie da eine 24-Stunden-Schicht und dann drei Tage frei, an denen andere Damen da sitzen und gucken, wer kommt und geht, auch mal den Türöffner betätigen etc. Eigentlich ist das eine ganz nette Tätigkeit für Renter, denn man hat da sein kleines Kabüffchen mit Waschgelegenheit, Wasserkocher, Liege und Fernseher, und körperlich anstrengend ist das nicht. Fragt sich nur, wieviel Sinn so ein Concierge macht, denn ob sich die Sicherheit nun dadurch merklich erhöht, dass da jemand sitzt, halte ich für zweifelhaft. Schließlich kann man sich bei 60 Wohnungen in einem Aufgang nicht merken, wer da zur Familie gehört, und ob der, der da sagt, dass er zur Wohnung 52 will, wo die Klingel nicht funktioniert, da auch wirklich hinwill… nun ja.

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Einen Tag arbeitet sie, drei Tage hat sie frei, da arbeiten also auch noch andere Leute. Und da erzählte also mein Schwiegervater: „Die haben da vier Concierges und drei Chefs.“ Kurze Pause, dann haben wir alle erst mal laut gelacht. Aber er meinte es ganz ernst. Daraufhin haben wir überlegt, was die Chefs wohl machen und ob sie wohl die Concierges da beaufsichtigen oder wie man sich das vorstellen muss. Und interessant wäre auch, wie sie die Untergebenen unter sich aufteilen – hat jeder 1,333 Concierges oder hat einer vielleicht 2 und ist damit der Oberchef?

Das klingt zwar alles ganz amüsant, aber wenn man sich überlegt, dass das mit den drei Chefs und vier Angestellten hier in vielen Unternehmen wirklich so ist, kann einem schon bissel flau werden. Alle wollen gern Chefs sein, „natschalnik“ heißt das hier oder „rukovoditjel„. Und so gibt es in manchen Firmen x Unterabteilungen, die zum Teil gerade mal aus zwei Leuten bestehen, von denen einer der Abteilungsleiter ist und einer der Stellvertretende Abteilungsleiter. Das klingt doch gleich ganz anderes als nur Sachbearbeiter oder sogar nur Angestellter. Und überhaupt legt man hier sehr viel wert auf tolle Stellenbezeichnungen – eben die schon erwähnten Leiter und ihre ersten oder auch zweiten Stellvertreter (auf hoher Ebene wird’s vorgemacht, wie das geht). Auch Manager findet man auf Schritt und Tritt (so sind z.B. einfache Verkäufer gern „menedzher po prodazham“, also Verkaufsmanager, und ich habe auch schon von „menedzher po chistke pomeshenij“ gehört, also von Managern für die Innenraumreinigung, zu deutsch Putzfrau). Und Merchandiser oder Distributor nennen sich manchmal die Leute, die die Regale in den Supermärkten einräumen… und ganz toll finde ich auch, wenn ich in ein beliebiges von den vielen Finanzämtern der Stadt Moskau gehe und an den Fenstern, hinter denen blutjunge Mädels oder Jungs sitzen und die Steuererklärungen entgegennehmen, dann solche Amtsbezeichnung wie „Spezialist für …“ oder „Senior-Spezilist für …“ lese. Aber was anderes als Chefs und deren Stellvertreter und Spezialisten und Experten jeder Art und Güte gibt es nun mal in russischen Behörden kaum.

es wirrt schon

Herr Yulius fragte nach drei Dingen, die mich leicht verwirren. Da wäre gleich mal

Nr. 1: Ich finde in diesem (Russ-)Land viele Sachen verwirrend, ungewöhnlich, nervig. Und jetzt, wo ich dachte, ups, nur drei verwirrende Sachen soll ich aus den viiiielen auswählen und aufzählen, fällt mir kaum was ein! Das verwirrt mich ziemlich.

Nr. 2: Verwirrend ist auch, wie wenig Gedrängel und Geschiebe derzeit morgens und generell in der Metro und auf den Straßen herrscht. Eigentlich sollte es mich nicht wundern, denn es ist Sommer und damit Datscha- und Urlaubszeit – ca. ein Drittel der Moskauer Bevölkerung befindet sich irgendwo außerhalb der großen Stadt, und damit wird es für die verbleibenden zwei Drittel gleich sehr viel angenehmer. Dennoch ist es äußerst ungewohnt…

Nr. 3: Russische Gesetze sind absolut wirr.
In jedem Gesetz findet man z.B. mindestens einmal die Formulierung: „Diese Vorschriften gelten, wenn nicht in diesem Gesetz, einem anderen Gesetz, einer Rechtsverordnung oder einem sonstigen Rechtsakt etwas anderes bestimmt ist.“ So, und nun suche man mal, ob es nicht vielleicht irgendwo eine Regelung gibt, die etwas anderes besagt, bevor man sich sicher sein kann, dass das Gesetz nun im gegebenen Fall auch gilt.
Dann gibt es viele Gesetze mit einer Vorschrift, die besagt: „Näheres wird durch die Ausführungsverordnung der Regierung geregelt“. Gesetz ist in Kraft – aber wo ist die Ausführungsverordnung?
Möglicherweise stellt man dann nach Inkrafttreten eines Gesetzes fest: Ups, das kann man ja gar nicht anwenden, weil es in offensichtlichem Widerspruch zu anderen Gesetzen steht…  sowas… das ist vorher irgendwie in den drei Lesungen niemand aufgefallen…
Und dann gibt es Fälle, in denen
 gleich zwei Tage nach dem Erlass eines Gesetzes die erste Änderungsverordnung und noch zwei Tage später die Änderungsverordnung der Änderungsverordnung kommt… und wenn sich dann hinten und vorne nix mehr korrigieren lässt, wird das Gesetz kurzerhand wieder außer Kraft gesetzt.
Und da kenne sich nun mal einer aus!!!

gesucht und gefunden II

So, nun war ich ja ein Weilchen nicht da, aber trotzdem kamen ein paar ganz schön viele Zufallsbesucher, die bei mir Auskunft zu finden hofften, u.a.  zum Thema (Schreibweise originalgetreu):

Von Hamburg nach Moskau mit Buss: Würde ich mir sicher nicht antun. Man ist ewig unterwegs, sitzt die ganze Zeit herum, was auch in einem noch so bequemen Bus auf Dauer ziemlich ätzend wird, man braucht (als Deutscher) u.U. noch ein Transitvisum, wenn der Bus über Weißrussland fährt. Fliegen ist mittlerweile nicht unwesentlich teurer, und man ist in drei Stunden da.

Der Krasnodar: ist ein schwarzmeernahe Siedlungsform und kann ähnlich wie DER Hamburg mit Bus und Flieger erreicht werden.

Gurken anbauen Tricks: Man nehme eine Gurke, einen Hammer und einige Nägel… nee, ich weiß zwar, wie man an unsere Datscha eine Terasse anbauen kann, aber vom Gurkenanbau hab ich keine Ahnung.

Russland : Kindermode mit Strumpfhosen: Ich habe als Kind Strumpfhosen gehasst. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Kindern in Russland und anderswo genau so geht.

hahn guß wasser: platsch?

arbeiten in Moskau: Wenn man mit Expat-Rundum-Sorglos-Paket von seiner Firma nach Moskau entsandt wird, ist das bestimmt nicht schlecht. Wenn man dagegen als Ausländer auf eigene Faust Arbeit sucht, muss man sich auf diverse Unannehmlichkeiten gefasst machen: bürokratische Hindernisse (Arbeitserlaubnis, Arbeitsvisum), „russischer“ Arbeitsvertrag mit entsprechendem russischer Lohn usw.

immobilienpreise Roter Platz: Da will wohl jemand den Kreml kaufen… aber mal ernsthaft – die Immobilienpreise im Zentrum von Moskau sind gigantisch. Man könnte auch sagen: Unbezahlbar.

Zil 131/Feuerwehr: immer noch sehr gefragt – aber siehe hier.

voll fortschrittlich

Gestern hat mich ein Artikel auf S. 2 der Tageszeitung „Kommersant“ ziemlich aus den Latschen gehauen. Überschrift: „Der Ferne Osten wartet mit der Entwicklungsstrategie – bis jetzt genügen ihm die Entscheidungen des ZK der KPdSU von 1987“. Wohlgemerkt – es geht um die Entwicklung eines riesigen Gebietes östlich vom Baikalsee bis an den Stillen Ozean!

„Der Gouverneur der Region Tchita Ravil Genatulin erklärte ohne einen Anflug von Ironie, dass sich hinsichtlich der Entwicklung des Gebietes Ferner Osten und Zabaikalje die Regierung und auch die Gouverneure am gleichnamigen Programm des ZK der KPdSU von 1987 orientieren, „das mit 20-jähriger Verspätung umgesetzt wird.“ Nach den Worten des Gouverneurs liegt das Dokument des ZK der KPdSU auf seinem Arbeitstisch, und etwas Neueres brauche er nicht.“

Na dann mal herzlich willkommen in der Zukunft!

30er-Zone

30.jpg

Ab 30 wird’s holperig – mal geht’s bergauf, mal bergab… 😉