Eigentlich könnte ich ja nun wieder mal was schreiben.

Und das mache ich auch glatt. In den vergangenen vier Tagen war ich zu einem Kurzbesuch in Deutschland, um mal wieder ein Visum zu beantragen. Diesmal ist es kein Geschäftsvisum, sondern ein Arbeitsvisum. Das heißt, ich muss nicht befürchten, unter die neue „Nur 90 Tage Aufenthalt pro 180 Tage“-Regelung zu fallen, und ich muss nun wohl auch nicht mehr alle halbe Jahre einen lästigen Grenzübertritt veranstalten, um mich anschließend neu zu registrieren. Und – wenn ich das richtig verstanden habe – das Arbeitsvisum kann nach Ablauf vor Ort verlängert werden. So Gott will, war das also vielleicht meine letzte Visa-Tour.

Schön wäre es, denn obwohl das russische Generalkonsulat in München (Adresse: Seidlstraße 28) alles reibungslos erledigt hat, war es doch mal wieder ziemlich anstrengend: Auf der Strecke München-Passau ist zwischen Landshut und Wörth Schienenersatzverkehr. Das bedeutet, dass man auf dieser Strecke statt null oder ein Mal nun zwei oder drei Mal umsteigen muss. Die einfache Fahrt verlängert sich von 2:20 auf 3 Stunden und länger. Und da der freundliche Konsulatsmitarbeiter trotz meiner freundlichen Bitte nicht so freundlich war, mir mein Visum am Tag der Beantragung auszustellen („Sie fliegen doch erst am Mittwoch, da können Sie das Visum morgen – Dienstag – abholen.“), durfte ich die Hin- und Herfahrt an zwei Tagen hintereinander machen – ächzend und schniefend, weil ich es doch tatsächlich geschafft hatte, mir auf dem Flug eine dicke Erkältung einzufangen…

Apropos Flug: Ich saß neben einem älteren russischen Ehepaar, und da ich nett gegrüßt hatte, als ich mich setzte, kamen wir dann auch ein wenig ins Gespräch. In dessen Verlauf fragte der Mann auch nach dem Wohin und Woher und wollte mir absolut nicht glauben, dass ich Deutsche bin: „Für eine Deutsche sprechen Sie viel zu gut russisch.“ Das sollte mich eigentlich freuen (tut es auch, logo), ist ja ein prima Kompliment. Andererseits stelle ich fest, das man als Ausländer, der eine Sprache „zu gut“ kann, auch ungeahnten Problemen gegenüber steht, denn wenn man eine Sprache spricht, heißt das nicht automatisch, dass man auch alle Feinheiten von Kultur, Tradition und lokal üblichen Verhaltensweisen beherrscht… und so kommt es, dass man(u) nun manchmal komisch angeguckt wird, wenn man zwar russisch spricht, aber sich „unrussisch“ benimmt. Spräche man mit deutlich hörbarem Akzent, würde einem das unrussische Verhalten freundlich verziehen werden – man ist ja nur ein dummer Ausländer. Aber so wird man eben nicht als Ausländer wahrgenommen und hat als „untypischer Russe“ dadurch manchmal ein Problem.

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3 Antworten

  1. Hey Manu! Du hast ne echt Klasse Seite!!! Toll! Ich gucke andauernd rein und will deinen Blog lesen! Schreiben tust du auch toll…sehr schön!!!!

    Nun eine Anmerkung zu deinem Beitrag. Würdest du dir die Mühe machen und mal ein paar Situationen nennen bei denen du aneckst wegen nicht Ausländer sondern untypischem Verhalten!

    Gratulation zu dem Kompliment! :-))

  2. Saboteur, sei gegrüßt, herzlichen Dank für die Lorbeeren.

    Ich muss gestehen, mir fällt gerade kein aktuelles Beispiel für mein untypisches Verhalten ein, mit dem ich mal angeeckt wäre, aber sobald wieder eins auftaucht, schreib ich es auf.

  3. juhuuu! Danke :-))

    Nochmal, Glückwunsch zu der tollen Seite!

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