Onkel Kolja

Mein Liebster ist heute gut gelaunt, und das aus mehreren Gründen: Einer ist natürlich unser Hausbau, der vorwärts geht. Heute wurden die Betonringe für unseren Abwasserbrunnen und den des Nachbarn gebracht, die Lieferung hat nicht mal extra gekostet, und morgen kommt eine kleine Brigade, die die Grube aushebt. Das hat Onkel Kolja, unser Nachbar, organisiert. Er liefert auch den zweiten Grund für Andrejs gute Laune: er kauft sich nämlich ein neues Auto und verkauft uns wohl seins (wenn seine Preisvorstellungen sich mit unseren decken), einen VW Passat Diesel, 10 Jahre alt, aber gut in Schuss. Und das hieße, dass Andrej sich endlich nicht mehr mit unserem ollen Wolga rumärgern muss, der zur Zeit mal wieder streikt. Schön wäre es, denn die ewigen Reparaturen fressen natürlich Zeit und Nerven. Und außerdem ist das Fahrgefühl natürlich gaaaaanz anders.

Onkel Kolja ist ein übrigens ziemlich cooler Typ, um die 50, nett und sehr hilfsbereit. Der kann unglaubliche Sachen erzählen – von der Halbinsel Krim, da kommt er ursprünglich her, von Zeiten, als er im Hohen Norden gearbeitet hat usw. Leider hat er ein Problem – manchmal verfällt er dem Suff und trinkt und trinkt zwei, drei Wochen lang. „Sapoj“ nennt man diesen Zustand auf russisch. Damit macht er seiner Frau, Tante Ljuda, ziemlichen Kummer. Wenn man sie dann fragt, wie es Kolja geht, sagt sie immer: „Ach, der ruht sich aus“, und alle nicken wissend – aha, der „sapoj“ ist noch nicht zu Ende. Aber jetzt, nach dem Urlaub auf der Krim, ist er wieder fit und tatkräftig. Tante Ljuda freut’s, und uns auch.

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3 Antworten

  1. Erinnert mich an Onkel Nilsson aus Astrid Lindgrens Madita-Geschichten, der immer angetrunken auf der Küchenbank liegt, „um sich auszuruhen“…

  2. wo bleiben die Bilder von eurem Haus? Also Sapoi ist doch die Trunksucht an sich oder? Interessant dass die Quartalsanfälle auch so heißen..wieder was gelernt! Merci 🙂

  3. Nee, als „sapoj“ bezeichnet man gerade den Saufanfall, den jemand alle Zeit mal bekommt und der einige Tage bis Wochen dauern kann. Trunksucht an sich ist „pjanstvo“, den Säufer nennt man „pjannitsa“.
    Unser Haus würde ich übrigens liebend gern knipsen, aber unsere Kamera hat sich irgendwo im Chaos versteckt, ich konnte sie noch nicht finden.

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