Dienstreisevorfreude

Hui, ist das aufregend, demnächst, am 10. November, fliege ich für zwei Wochen nach Hamburg zu Schulungen und Seminaren in unser „Head Office“. Darauf bin ich, ehrlich gesagt, schon ziemlich gespannt, denn so lange bin ich ja noch nicht in der Firma. Meine erste Dienstreise!!! Außerdem ist Hamburg schön, eine meiner besten Freundinnen wohnt da, und in der zweiten Woche kommt wahrscheinlich mein Liebster nach. Klingt fast ein bisschen wie Arbeitsurlaub…

Dass ich das noch erlebe…

Der heutige Tag brachte gleich zwei erfreuliche Ereignisse, auf die ich lange gewartet habe:

1. Ich habe meinen Pass wieder samt Arbeitsvisum, das mir die Registrierungskammer der Stadt Moskau nun freundlicherweise in ein Mehrfachvisum umregistriert hat. Halleluja! Ich darf also jetzt wieder unbesorgt umhergehen und muss nicht befürchten, dass ausgerechnet dann, wenn mein Pass  (2 Monate lang!!!) irgendwo herumliegt, jemand nach meinen Papieren fragt. Außerdem kann ich wieder raus aus Russland, wenn ich das kurzfristig mal wollen oder müssen sollte. Auch sehr beruhigend.

2. Mein ehemaliger Chef hat mir endlich meine Übersetzungsarbeiten bezahlt, die ich im August und September in meiner Freizeit für ihn erledigt habe, weil er noch keinen Ersatz für mich gefunden hat, und da kam ein recht ordentliches Sümmchen zusammen. Manchmal nervt mich zwar dieser zusätzliche Kram, wenn ich abends oder am Wochenende eine sms kriege und mich an den Computer setzen muss, obwohl ich müde bin und keine Lust habe, aber andererseits ist es ein prima Zusatz-Verdienst, besonders, wenn er endlich ausgezahlt wird.

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Da gönnen wir uns doch heute Abend glatt einen Besuch im Il Patio…

Der Schnee ist wieder weg.

Und heute scheint nach einigen grauen Tagen auch zur Abwechslung mal wieder die Sonne. So ein Ausblick aus dem Bürofenster ist doch übrigens auch ganz nett:

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Das sind Bauarbeiterfüße. Unser Bürogebäude wird nämlich noch renoviert… und außerdem sollen auf die drei bestehenden Stockwerke oben noch zwei draufgesetzt werden. Schließlich sind Quadratmeter in Moskau Gold wert, noch dazu in Bürogebäuden, also muss man die gut ausnutzen. Fraglich ist, ob das Fundament das auch so sieht… warten wir es ab. Immerhin soll die Aussicht von oben toll sein (und wir ziehen voraussichtlich vom 2. Stock in den 5., wenn der mal fertig ist). Solange benügen wir uns mit alten Ziegelbauten gegenüber und jungen Bauarbeitern hinter Glas.

Seit Anfang Oktober sind übrigens die Heizungen endlich angeschaltet. Das passiert zentral und nicht etwa, wenn es kalt genug ist, sondern scheinbar tatsächlich nach dem Kalender. Nachdem sich einige Kollegen (darunter auch meiner einer) also in einem äußerst kühlen September in äußerst kühlen Büroräumen eine Erkühlkältung holten, wurde es auch höchste Zeit, dass sich jemand in der Moskauer Stadtverwaltung erbarmt. Wir hatten zur Überbrückung schon Heißlüfter fürs Büro gekauft, aber die helfen nur bedingt.  Nun sind die Heizungen an, laufen auf Hochtouren und lassen sich aber in Russland generell eher schlecht regeln. Zum Teil ist gar kein Regler dran, damit nicht jemand  sich eigenmächtig komfortable Temperaturen zurechtbasteln kann – wo kämen wir denn da hin? Außerdem könnten die hochsensiblen Regler ja kaputtgehen, wenn da jemand… Jedenfalls müssen wir nun dauernd die Fenster aufreißen, um nicht den Hitzetod zu sterben. Infolgedessen sind nun die nächsten Kollegen  erkältet. Bis der Winter richtig beginnt, haben wir alle eine Runde Husten, Schnupfen, Heiserkeit durch. Vielleicht sollten wir ja ein fröhliches Ratespiel einführen: „Rat mal, wann es dich erwischt“. Dazu könnte man folgendes Lied trällern:

Es geht ein Ri-Ra-Rotzemann
in unserm Büro rum, dideldumm.
Es geht ein Ri-Ra-Rotzemann
in unserm Büro rum.

Er hustet, niest und räuspert sich,
wirft Taschentücher hinter sich.
Es geht ein Ri-Ra-Rotzemann
in unserm Büro rum.

unsicher

Gestern wollten wir uns mal wieder fleischlichen Gelüsten hingeben, also sprich: irgendwas mit Fleisch zubereiten. Wir haben nun außer dem Real in Brateevo und dem Perekrjostok in Balashikha auch einen Supermarkt in unserer Nähe gefunden, der insgesamt sehr angenehm (und nicht überfüllt) ist und wo man(u) auch die Fleischtheke als unbedenklich und sogar ansprechend einstufen kann.Jedenfalls wollte ich, nachdem ich letztes Mal erfolgreich ein Rezept für Boeuf Stroganoff ausprobiert hatte, diesmal eigentlich was mit Schweinefleisch machen. Aber dann lagen da neben „eskalop“ (das man wohl für Schnitzel nehmen könnte) und diversen anderen guten Stücken auch Hühner- und Putenbrustfilets und… Kaninchenschenkel! An denen konnte ich nicht vorbei, denn Hasen- bzw. Kaninchenbraten ist was Feines, und bisher hatten wir hier erst einmal (gefrorenes) Kaninchenfleisch kaufen können.

Lecker waren sie ja. Aber ein ganz klein wenig frage ich mich, ob das nun wirklich Beine vom Kaninchen waren. Man sagt, dass auf manchen Märkten in Russland geschlachtete Kaninchen bzw. Hasen zwar ausgenommen und ohne Kopf und so, aber auf jeden Fall mit noch einer befellten Pfote verkauft werden – damit der Käufer sicher gehen kann, dass er da auch wirklich Kaninchen kauft und keinen Dachhasen bzw. Katze…

erster Schnee

So sah das aus, als wir am Sonntag von einem Wasch- und Putzausflug zurück zu unserer Datscha kamen:

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Schnee! Viel Schnee! Und der blieb sogar ganze zwei Tage liegen. Und da er ausgerechnet am kirchlichen Feiertag „Pokrov“ fiel, soll es nach alter Bauernweisheit wohl ein langer Winter werden. Hoffentlich irrt sich der Bauer… obwohl… unser Ziegelofen ist fast fertig, und da kann der Winter gern kommen.

(hör mal)

Endlich! Es hat eine ganze Weile gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt: Die neue Scheibe von Zemfira (sprich Semfira mit stimmhaften, also summendem S) ist da, und ich habe sie heute auch gleich käuflich erworben. Und die Musik ist wieder ganz anders als auf der vorigen, nein, auf allen vorigen CDs. Ich bin jetzt schon begeistert – nach nur ein bißchen „mal durchhören“ auf der Arbeit. DAFÜR habe ich mir letzte Woche in freudiger Erwartung Kopfhörer fürs Büro gekauft, aber ich finde, neue CDs kann man nie so nebenbei anhören, die muss man wirken lassen, und das geht nun mal nicht, wenn man nebenbei arbeiten soll. Aber heute Abend im Auto, mit meinem Liebsten, wenn wir durchs Dunkel fahren… ich freu mich drauf.

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Zemfira ist übrigens eine der wenigen wirklichen Musikkünstler hier, sie singt, spielt mehrere Instrumente,  schreibt ihre Lieder selbst, und die neue CD hat sie auch selber produziert. Ich will nicht behaupten, dass alles andere in der hiesigen Musikszene gar nichts taugt, aber zwischen den alten Sojetkoryphäen und unzähligen künstlich hochgepushten Möchtegern-Supersternchen hebt sie sich ungemein positiv heraus. Ich war 2000 auf einem Konzert in Krasnojarsk, ganz ganz fein, und ich könnte mich immer noch sonstwohin beißen, dass ich letzte Woche nicht zur Präsentation der neuen CD gegangen bin. Naja. Jetzt heißt es eben Warten auf Godot April 2008, Moskau, Olympiastadion. 

Wer übrigens neugierig geworden ist: Neben ihrer eigentlichen Internetseite (nur in Russisch und derzeit ohne „Kostproben“ ihres Schaffens) gibt es noch diese, wo der geneigte Leser sich selbst einen ganz kleinen Eindruck verschaffen kann, außerdem auf Youtube, einfach mal „zemfira“ eingeben.

Tag der russisch-deutschen Einheit

Zur Feier des ((zweiten zweiten) Hochzeits-) Tages hab ich mich heute schon am Nachmittag von der Arbeit verabschiedet. Andrej und ich waren dann zusammen zum Essen in einem Restaurant, das ich ziemlich Klasse finde. Es heißt „Durdin„, die haben vier Filialen in Moskau und neben Bier aus der hauseigenen Brauerei auch ganz leckeres Essen und ein tolles Mittagsangebot. Und weil doch jetzt Oktoberfest ist, gibt es in einigen Bierlokalen, u.a dem „Durdin“, (angeblich) Paulaner-Oktoberfestbier, das Andrej natürlich probieren musste. Zusammen mit der Maß gab es ein Los, und prompt hat mein Liebster das erste mal in seinem Leben etwas gewonnen – einen 0,5l-Krug mit Oktoberfest-Logo drauf.

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Ich habe Andrej versprochen, dass wir uns nächstes Jahr mal das Original-Oktoberfest angucken. Hätte ich gewusst, dass er das gerne möchte, hätten wir das wahrscheinlich längst gemacht. Ich selber war da ja noch nie, obowhl ich lange genug im Einzugsgebiet gewohnt habe…

Und dann waren wir jedenfalls noch Bootfahren auf der Moskva, saßen hinten auf dem offenen Deck des Ausflugsschiffes, ließen uns den Wind (und ein paar Schiffsabgase) um die Nase wehen und genossen den lauen Herbstabend, Blick auf Uferpromenaden, goldene Kirchkuppeln, bunte Bäume… ich mag unsere Hochzeitstage…

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