Ausrutscher

Heute ist mal wieder ein Pannen-Tag auf russischen, konkret Moskauer, Flughäfen. Morgens konnte ein Frachtflugzeug des Typs DC-10 (zur Fluggesellschaft gibt es unterschiedliche Angaben – möglicherweise Aeroflot Cargo) im Flughafen Scheremetjevo 1 erst 25 Meter nach Ende der Landebahn anhalten, gegen Mittag kam ein Passagierflugzeug TU-214 der Linie „Airline 400“ im Flughafen Vnukovo von der Landesbahn ab, den 210 Passagieren passierte zum Glück nichts. Möglicherweise ist ja das Wetter bzw. die unangemessene Reaktion darauf schuld: seit vorgestern Abend rieselt immer mal wieder feiner Schnee (sieht seeehr schön aus), Straßen werden nur bedingt geräumt, und auch die Fußgängerwege in Moskau sind – man möge mir den Ausdruck verzeihen – aaarschglatt. Nun schlittern auch schon die Flugzeuge.

comeback

Nach zweiwöchiger (oder gar längerer) Funkstille melde ich mich mal wieder mit ein paar MaNus (MaNews) aus Moskau. Wobei es von hier gar nicht so viel zu berichten gibt, denn ich war ja jetzt eine Weile weg. Was ich überhaupt nicht vermisst habe, ist die morgendliche Schlacht beim Einsteigen in die U-Bahn. Das war ja in Hamburg die reinste Wonne – man wartet geduldig, bis der Zug da ist, keiner schubst und drückt von hinten, man steigt in Ruhe ein und auch aus und findet sogar meist einen Sitzplatz… erholsam.

Beim Metrofahren ist mir übrigens heute ein Plakat aufgefallen, dass mich im Zusammenhang mit einem ebenfalls heute gelesenen (man hat ja einiges nachzuholen) Eintrag in den „Straßen von Berlin“ an meine peinliche Jugendliebe erinnerte: Retro FM, ein Moskauer Oldie-Sender, veranstaltet seit ein paar Jahren immer kurz vor Neujahr ein Konzert namens „Die Legenden von Retro FM“, in dem alte, längst vergessen geglaubte Stars der 70er und 80er wiederbelebt werden. Da man in Russland diesbezüglich einigen Nachholbedarf hat (die Grenze war zu, Westfernsehen gabs nicht), sind die Stars von gestern und vorvorgestern hier auch immer noch und wieder gern gesehen. So wurden z.B. Arabesque und Dschinghis Khan wieder aus der Mottenkiste geholt, kürzlich trat auch Sandra in Moskau auf, Bad Boys Blue und C.C. Catch sind regelmäßig in Russland.

Aber eigentlich wollte ich mich ja zu meiner (heute in der Tat etwas peinlichen) Jugendliebe bekennen: Ich war begeisterte Anhängerin der schwedischen Pop-Truppe Army of Lovers. (Sollte ich jetzt nachträglich rot werden?) Jedenfalls sind die bei der diesjährigen Retro FM-Gala die Stargäste… extra wieder vereint für ein einziges Konzert. Aber da gehe ich ganz sicher nicht hin.

Wetterwechsel

Nachdem wir hier die ganze letzte Woche im Nebel versunken waren, ist nun scheinbar der Winter eingekehrt – seit drei Tagen scheint tagsüber ein wenig die Sonne bei Temperaturen um die -10 Grad. Wie gut, dass der Mais auf dem Feld vor unserer Haustür am letzten Oktoberwochenende abgeerntet wurde. Und wie gut, dass der Ofen, den Andrej gebaut hat, bestens funktioniert und wir unsere 4 m³ Feuerholz und 1000 kg Holzbriketts rechtzeitig geliefert bekamen…

Irgendwie ist das nicht so mein Tag heute. Mal abgesehen davon, dass heute früh in der Metro das Einsteigen mal wieder eine halbe Katastrophe war (eine Hammelherde ist zivilisierter), hat mich das, was ich vorher im Eingangsbereich der Station gesehen hatte, mehr mitgenommen. Da lag nämlich ein Mann auf dem Boden.

Man muss dazu sagen, dass der Anblick von Menschen, meist Männern, die irgendwo zusammengekauert hocken oder liegen und schlafen, in Straßenunterführungen oder Tunneln in der Nähe der Metro kein so seltener ist. Oft sind das sogenannte Bomzhi, Obdachlose oder Landstreicher, die keine andere Bleibe haben. Die meisten Leute gehen achtlos an denen vorbei; ich gucke meistens hin – zum einen, weil es doch Menschen sind und kein Abfall und ich mich an diesen Anblick einfach nicht gewöhnen kann, dass da Leute wie streunende Hunde auf einem Stück Karton schlafen, zum anderen, weil ich den Anblick manchmal ganz heilsam finde, wenn sich Unzufriedenheit über die eigenen Umstände einschleicht.

Der Mann, der heute früh da neben den Zeitungsautomaten lag, war keim Bomzh. Er schlief auch nicht. Er lag da ganz steif, und seine Augen waren offen… und er war tot.