auf Kurs

Weil ich gerade bemerkt habe, dass „Rubel“ der häufigste Suchbegriff ist, mit dem zufällige Besucher diese Seiten finden, hier ein paar Infos zu selbigem. Auf der Seite der russischen Zentralbank findet man aktuelle offizielle Kurse des Rubels zum Euro und einer ganze Reihe anderer Währungen (sogar in englischer Sprache), da kann man auch die Bewegungen für einen ganzen Monat verfolgen – einfach gewünschte Währung angeben, Datum anklicken, gucken.

Natürlich ist der Kurs beim Umtauschen immer ein wenig ungünstiger, aber wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt, nach Russland zu reisen und sich – wie man das so macht – schon vorher ein paar Rubel zu besorgen, dann würde ich das auf ein Minimum begrenzen. Die Reisebank (auf Bahnhöfen und Flughäfen anzutreffen) tauscht auch Rubel, aber der Kurs liegt bei ca. 30 Rubel für einen Euro – in Russland kriegt man dafür derzeit 36 Rubel, ein Fünftel (20 Cent!) mehr. Wechselstuben gibt es auf Schritt und Tritt, auch gleich am Flughafen (wo der Kurs natürlich ungünstiger ist als in der Stadt, aber dennoch besser als in Deutschland). Vorzugswürdig ist der Umtausch aber in einer Bank, da ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass man übers Ohr gehauen wird. Mir persönlich ist das auch in kleinen Wechselstuben nie passiert, aber vorkommen kann das – wie überall sonst auf der Welt auch.

Es ist übrigens immer gut, bei passender Gelegenheit große Geldscheine wie 1000-er oder 5000-er in kleinere Scheine wechseln zu lassen. 1000 Rubel sind zwar nicht mal 30 Euro, dennoch haben Geschäfte, Schnellrestaurants, Bus- oder Taxifahrer oft kein Wechselgeld – und dann gibt es Unmut und Gezeter, oder man muss lange warten, oder sie schicken den Kunden weg, der verzweifelt versucht, irgendwo in der Nähe einen Laden zu finden, der den Schein klein macht. 

Einige Taxifahrer, vor allem am Flughafen, mögen auch Dollar oder Euro akzeptieren, aber in der Stadt kann man generell nicht (mehr) mit Fremdwährung zahlen. Wer eine Quittung fürs Taxi braucht, muss das vorher sagen – „kvitanzia“ ist das russische Wort dafür, und nicht jeder Taxifahrer stellt welche aus. Offizielle Taxis haben übrigens gelbe Nummernschilder und nicht so räuberische Preise.

abwesend

Wie sich die Zeiten ändern… vor ein paar Monaten war ich noch erfreut und aufgeregt, als es hieß: Dienstreise – zwei Wochen nach Hamburg. Jetzt steht wieder so ein zweiwöchiger Dienstaufenthalt in Hamburg bevor, und irgendwie bin ich gar nicht mehr so begeistert. Klar, nett isses schon, Heimat immerhin, Hamburg ist auch eine schöne Stadt, außerdem wohnen auch sehr gute Freunde da, es gibt leckere Sachen zum Essen (freu mich schon auf ’nen gescheiten Döner) und nette Ecken zum Spazieren, Bummeln, Gucken. Aber zwei Wochen ohne meinen Liebsten finde ich schon ganz schön lang… und andere finden das mich jetzt albern, aber das ist mir ganz egal. Ich bin nicht der Typ, der gerne mal für ein-zwei-drei Wochen alleine in den Urlaub fährt oder sich freut, wenn er mal ein paar Tage ohne Partner „seine Ruhe“ hat. Ich brauche auch keine Auszeit oder Pause, damit die Ehe nicht langweilig wird, und mir reichen die täglich zehn Stunden Abwesenheit von zu Hause, damit ich mich abends auf meinen Mann freue. Insofern sind zwei Wochen wirklich ganz schön viel. Es sollte wirklich endlich mal jemand das Beamen erfinden.

Schon erstaunlich…

… finde ich im Nachhinein, was (m)ein kleiner Zornesausbruch so bewirken kann, noch dazu, wenn er von anderer Stelle aufgegriffen und nahezu vollständig zitiert wird – der Besucherzähler überschlug sich letzte Woche fast:

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Eigentlich ist es schade, dass ausgerechnet dieser Beitrag meinem Blog so eine ungeahnte Flut der Aufmerksamkeit beschert hat. Ich hoffe, dass der eine oder andere Gast auf meinen Seiten noch ein wenig weiterliest und auch andere Momente, die leisen, die schönen, die unvergesslichen entdeckt, die ich nicht missen möchte und für die ich diesem Land dankbar bin. 

Zu verdanken habe ich Russland in der Tat eine Menge – allem voran meinen geliebten Mann, der heute vor hmzig Jahren hier in Moskau geboren wurde. Vor unserer Hochzeit habe ich ihm mal ein Zitat aus der Bibel geschickt, und auch wenn dieses Land mich manchmal sehr (heraus)fordert, würde ich meinem Mann das jederzeit wieder schreiben:

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“

Musik sehen

In Russland ist es üblich, die arbeitende Bevölkerung mit langen Wochenenden zu beglücken – so werden manche Brückentage zwischen Feiertag und Wochenende „vorgearbeitet„, und gesetzliche Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, werden nachgefeiert. Wenn also der 1.Mai ein Samstag oder Sonntag ist, hat der deutsche Werktätige Pech, der russische hat am Montag nachträglich frei. Dank des „Tages des Vaterlandsverteidigers“ am 23. Februar (Samstag), der früher als Tag der Roten Armee gefeiert wurde und heutzutage zum Männertag verkommen ist (sind ja alles potentielle Vaterlandsverteidiger – tss), und der oben erwähnten hiesigen Sitte habe ich heute auch frei. Und morgen hab ich noch einen Urlaubstag drangehängt. Wir haben also mal richtig viel Zeit.

Und da passte es sehr gut, dass ausgerechnet diese Woche der Konzertfilm „Das Grüne Theater in Zemfira“ in einigen ausgewählten Moskauer Kinos läuft. Ein toller Film, ein phantastisches Konzert, leider verpasst letzten Sommer, aber das nächste kommt ja bald, am 1. April. Der Film hat noch mehr Lust drauf gemacht. Das ist Musik, die man nicht nur hören kann, sondern auch sehen. Hier eine Kostprobe – der Trailer zum Film:

anderer Tag

Solche Tage wie gestern gibt es, aber die sind zum Glück selten. Heute sieht die Welt schon wieder ganz anders aus…

Edit:

Сегодня был неважный день… завтра будет хороший…
Спасибо… спасибо… спасибо…

(c) Zemfira, „Spasibo“

Fass voll. Ventil auf. Dampf.

Echt, es gibt so Tage, da möchte ich voller Inbrunst ausrufen:

Ich hasse diesen Staat und seine Scheiß-Gesetze, seine Scheiß-Bürokratie und seine Scheiß-Scheinheiligkeit, ich hasse es, mich an jeder Ecke verarschen, bescheißen und betrügen zu lassen, ich hasse es, dass man sich auf nichts verlassen kann und dass in diesem Staat nichts und niemand für die Leute arbeitet, sondern alle(s) nur gegen sie.

Ich hasse es, dass man sich sein Recht nur kaufen kann oder – wenn einem der Geldbeutel oder das eigene Gewissen das nicht erlaubt – zusehen muss, wie es mit Füßen getreten wird.

Ich hasse es, dass man tagein, tagaus nur damit beschäftigt ist, irgendwelche kleinen Scheißprobleme zu lösen, die künstlich gemacht werden, damit man bloß nicht zur Ruhe kommt.

Ich hasse es, dass man hier kein Gesetz einhalten kann, ohne mindestens drei andere zu verletzen, ich hasse es, dass keiner daran interessiert ist, für Recht und für Ordnung zu sorgen, solange sich mit Unrecht und Unordnung Geld verdienen und Macht ausüben lässt.

Ich hasse es, dass selbst die Ärzte einen belügen und einen krank statt gesund machen, damit man möglichst oft wiederkommt und Geld bringt. Ich hasse es, dass die Polizei so allgegenwärtig ist, aber nicht für Sicherheit sorgt, sondern für Angst und Unruhe.

Ich hasse es, dass ich für Dinge zahlen muss, die ich nicht brauche und nicht nutze, ich hasse es, dass man überall Zettel ausfüllen, Schlange stehen und Unverschämtheit über sich ergehen lassen muss, und ich hasse es, mich überall vor kleinen Fensterchen verneigen und erniedrigen zu müssen, damit die Person dahinter mich wahrnimmt.

Ich hasse das Weltmachtgehabe und den falschen Patriotismus, wo keiner bereit ist, für dieses Land selber einen Finger krumm zu machen, ich hasse Anti-West-Parolen und Fremdenhass, wo jeder lieber VW als Lada fährt und viele ihre Datschas von Usbeken bauen lassen.

Ich hasse es, dass die meisten unzufrieden sind und trotzdem „Jedinaja Rossia“ wählen, und ich hasse es, dass keiner selber mal sein Maul aufmacht und sagt, was er wirklich denkt.

Das musste jetzt mal raus.

PS: Wer mir jetzt antwortet: „Kannst ja abhauen, wenn es dir nicht passt“, hat recht. Ich habe zum Glück die Wahl. Aber das ändert nichts an den Fakten… und noch lebe ich hier, da darf ich auch mal auf meinen privaten Tisch hauen. Immerhin zünde ich keine Autos an oder werfe mit Steinen auf die hiesige Bevölkerung. Ich bin hier Gast und ich benehme mich entsprechend, aber ich will auch entsprechend behandelt werden.

Mief

Sagte ich eigentlich schon, dass „целебный хлеб“, sogenanntes Heil- oder Kurbrot, aus dem „Pjatjorotschka“ furchbar viele furchtbar fiese Pupse fabriziert? Ich bin nicht so sicher, ob ich schnell eingeschlafen oder bewusstlos geworden bin. Das Brot kaufe ich nie wieder! Na oder höchstens, wenn sich wider Erwarten doch mal die Schwiegermutter ein unerwünschter Gast zu Besuch angekündigt. 

PS: Elke, keine Angst, dich meine ich nicht 😉