Kauft Kindersitze!

Die russische Regierung setzt ab und zu mal für ein paar Monate die Einfuhrzollsätze für bestimmte Waren auf Null, damit diese Waren dann in Russland selber billiger angeboten werden können und gekauft werden. Im Herbst betraf das mal gebrauchte Passagierflugzeuge mit mehr als 200 Sitzen – damit die russischen Airlines ihre veralteten eigenen Flieger aussortieren und (wenn nicht neue, so wenigstens weniger alte) ausländische Flieger kostengünstiger erwerben konnten, derzeit wird der Import gebrauchter LKW auf diese Weise subventioniert, und ab Ende Juni sind (neue!) Autokindersitze dran.

Bisher betrug der Einfuhrzollsatz für Kindersitze immerhin 20% und mindestens 0,70 Euro pro Kilo. Da ja seit neuestem etwas seriösere Strafen drohen, wenn man sich im Auto nicht anschnallt und für seine Kinder keinen Kindersitz hat, will man damit offensichtlich sagen: „Hier, keine Ausreden von wegen ‚Öööööh – Strafe zahlen soll ich, wo die Kindersitze so teuer sind’ – die Sicherheit eurer Kinder sollte euch schon was wert sein, und wir kommen euch auch noch etwas entgegen.“ Finde ich gut, denn wenn ich so sehe, wie Kinder oft unangeschnallt auf den Rücksitzen von Autos herumturnen, möchte ich gar nicht dran denken, wie viele Kinder unter den ca. 35.000 Menschen sind, die in Russland jedes Jahr durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen.

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ganz „grand“

Vor einigen Tagen war ich im Marriott Grand Hotel auf einer Konferenz. Das ist ja vielleicht ein schickes Ding… und auch wenn das sicher nicht die Hauptsache an einem Hotel ist, aber die Stühle im Konferenzsaal waren seeehr bequem, und der Teppich hat mir total gut gefallen.

 

Die Häppchen hinterher fand ich übrigens auch lecker, so isses ja nich 🙂

einfach nur nett

Als ich heute früh so von der Metrostation Majakovskaja die Tverskaja ulica runter schlenderte, standen da so zehn junge Leute auf dem Fußweg mit Luftballons in den Händen und Lächeln im Gesicht. Das ist ja schon mal kein so häufiger Anblick, und da musste ich auch ein bisschen lächeln, weil ich dachte – oh, die warten auf frisch verheiratete Freunde oder überraschen vielleicht jemanden zum Geburtstag oder so. Aber nein, die warteten auf zufällig Vorbeischlendernde wie mich: Ich war schon fast durch diese kleine Gruppe durch gelaufen, da fragte mich einer von den Jungs, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen, sie würden Wünsche sammeln und die per Luftballon in den Himmel schicken. Und da musste ich noch mehr lächeln, schrieb einen einzigen großen Wunsch auf den Zettel, der später an einem roten Luftballon über Moskaus Dächern flatterte. Schön, wenn ein Tag soooo nett anfängt!

es grünt so grün

Nachdem es nun wirklich eine ganze Woche lang fast ununterbrochen geregnet hat, scheint heute endlich wieder ein bißchen die Sonne. Wurde auch Zeit, sonst hätten wir uns bald nur noch per Schlauchboot von der Haustür bis zum Auto fortbewegen können.

Ich hoffe, meine Rosen sind nicht abgesoffen… immerhin geht es anderen Spezies in unserem Garten bisher ganz prima: Ich darf vorstellen – Jette, eine meiner fünf Gladiolen, sah vor genau 20 Tagen noch so aus:

… und heute früh schon soooooooo: 

Armutszeugnis

Mittlerweile gibt es tatsächlich wieder andere Dinge in der Zeitung zu lesen, aber erfreulich sind die leider auch nicht: 20 (von 150) Millionen Menschen in Russland leben unterhalb der Armutsgrenze. Eigentlich sind es sogar noch mehr, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Existenzminimum der russischen Bevölkerung für das 4. Quartal 2007 auf monatlich 4005 Rubel (110 Euro) festgelegt wurde – zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel, aber davon sprachen wir schon mal. Betroffen sind übrigens nicht nur die Rentner, sondern auch Teile der arbeitstätigen Bevölkerung.

„Die Initiative von Waldimir Putin als Premierminister – die Erhöhung des Mindestlohns auf 4.330 Rubel ab 1. Januar 2009 – wird das Niveau der Armut der arbeitstätigen Bevölkerung kaum beeinflussen können, da der Mindestlohn seine Bedeutung als Regulator in den 90er Jahren verloren und seitdem nicht wieder erlangt hat und wohl kaum wieder erlangen wird. Für die Arbeitgeber wurden niedrige Zielwerte aufgestellt, darum lohnt es sich für sie mehr, billige Arbeit zu nutzen und sich nicht für neue Ausstattung und Lohnerhöhungen zu verausgaben.“

Ljudmila Rzhanizyna, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin des Wirtschaftsinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften hier.

 

Moskauer Mietpreise…

…haben es in sich. In einer solchen Riesenstadt mit riesenvielen Einwohnern, Zuzüglern, Pendlern, Gästen und Gastarbeitern ist Wohnraum immer knapp. Und neu gebaute Wohnungen kommen nur in den wenigsten Fällen denen zugute, die am dringendsten eine brauchen – die Warteliste für die kostenlose Zuteilung von (sozialem) Wohnraum ist lang, in Moskau warten wohl um die 160.000 Familien auf eine „Verbesserung ihrer Wohnbedingungen“, wie das im Beamtenrussisch heißt. Manche stehen schon 20 Jahre und länger auf der Liste. Zwar soll sich die Liste bis 2010 um die Hälfte verkürzen – aber ob das dadurch geschieht, dass die Leute tatsächlich Wohnungen bekommen oder ob einfach bestimmte Ansprüche und damit Leute von der Liste gestrichen werden, ist unklar.

Viele, wenn nicht sogar die meisten Moskauer leben in der Wohnung, in der sie und/oder ihre Eltern zu Zeiten der Sowjetunion schon wohnten, denn für die braucht man keine Miete zahlen: Entweder man pachtet die Wohnung quasi von der Stadt oder vom Staat für wenig Geld. Oder man hat die Wohnung privatisiert, das heißt, sie wurde in Privateigentum umgewandelt, was zwar mit einigem bürokratischen Aufwand und Rennerei verbunden ist, aber insgesamt nicht besonders viel kostet. Das ist der Grund dafür, dass relativ viele Moskauer in Eigentumswohnungen wohnen.

Problematisch wird es, wenn die eigenen Kinder groß werden und eigentlich selber eine eigene Wohnung bräuchten… Gut, wenn dann die Oma oder der Onkel rechtzeitig stirbt und deren Wohnung frei wird. Auch gut, wenn man Glück hatte und die Baufirma nicht pleite gegangen oder mit dem Geld verschwunden ist, das man günstig in eine Wohnung investiert hat, als es diese erst auf dem Papier gab. Noch besser, wenn man – wie auch immer – an mehrere Wohnungen gekommen ist, denn dann hat man selbst ein Dach über dem Kopf und kann auch anderen für teures Geld eins anbieten. Von den Mieteinnahmen bezahlt man dann die nächste Wohnung… oder ein Haus in Spanien.

Jedenfalls: Wer irgendwie kann, kauft Wohnraum. Wenn man selbst keinen braucht, kann man damit immer noch richtig gutes Geld verdienen:

  •  13m² mit Balkon in 3er-WG, möbliert, ziemlich weit draußen (per Metro 25 Minuten bis zum Zentrum) – 400 Euro.
  • 16 m² in WG, möbliert, im Zentrum – 700 Euro.
  • 2-Zimmer-Wohnungen, möbliert, am südlichen Stadtrand (Metro Krasnogvardejskaja) – zwischen 800 und 2000 US-Dollar (für ca. 50 +/-5 m²).

Wer mietet, kann sich übrigens selten „sein eigenes Nest“ einrichten. Möbliert heißt, dass die Möbel der Vermieter drin sind, die sie selber nicht mehr brauchen – ob die einem nun gefallen oder nicht. Schlösser wechseln darf man nicht, und so kann es sein, dass die Vermieter unverhofft mal zu Besuch kommen (und dass möglicherweise danach der eine oder andere Wertgegenstand fehlt). Wenn man renovieren möchte, muss man die Eigentümer fragen – und wenn ihnen die frisch hergerichtete Wohnung dann gut gefällt, kann es sein, dass der Mietvertrag kurzfristig gekündigt wird. Ach und Mietverträge werden sowieso nur für 11 Monate abgeschlossen – sonst müsste man sie offiziell registrieren, und das hieße Mieteinnahmen versteuern. Außerdem kann man so alle 11 Monate die Miete anheben, und wenn es dem Mieter nicht passt, muss er eben gehen.

Noch Fragen, warum wir nicht in Moskau wohnen, sondern draußen auf dem Lande?

Nachholbedarf

Ach du meine Fr… Presse! Wir haben auf der Arbeit einige Zeitungen abonniert, darunter auch den „Kommersant„. Den mag ich ganz gern, und da ich ja Zeitungen immer von hinten anfange zu lesen, habe ich erst relativ zum Schluss das Titelblatt gesehen, das groß und mit Bild verkündet: „Putins Plan hat planmäßig begonnen„. Auf S. 2 findet man weiterhin einen Artikel darüber, wie  „Wladimir Putin […] den Börsenkurs angehoben“ hat, außerdem kann man dort und auf der ganzen nächsten Seite lesen, was Putin und andere bei oder anlässlich seiner Amtsübernahme als Regierungsoberhaupt sagten und wie letztere vonstatten ging. Auf S. 4 sind drei Artikel darüber zu finden, wie die Opposition sich an der Machtübergabe „beteiligt“ hat, weiter heißt es: „Dmitrij Medvedjev und Hugo Chavez werden Waffengenossen“ und: „Den neuen Präsident sieht man besser als den alten“ – weil diesmal mehr Leute die Amtseinführungszeremonie im Fernsehen geschaut haben als 2004 Djadja Wowas Vereidigung. Prima. Hoffentlich ist damit alles das nachgeholt, was wegen der Maifeiertage zu den großen Ereignissen der letzten Woche nicht in die anderen Ausgaben der Zeitung gepasst hat. Ich würde gerne auch mal wieder über was anderes lesen 😉