Paradeprobe

Einer der beliebtesten Feiertage ist in Russland der 9. Mai, Tag des Sieges (über den Faschismus). Der Manumann ist der Meinung, dass dieser Feiertag mit jedem Jahr an Bedeutung gewinnt – die „neueren“ Feiertage wurden vom Volk nicht wirklich angenommen, und was eignet sich besser zum künstlichen Hochputschen von Nationalstolz und Patriotismus? Die Erinnerung an vergangene Heldentaten.

Ein bisschen übertrieben finde ich (und nicht nur ich als Ausländerin) den ganzen Rummel aber schon, der besonders in diesem Jahr um den 9. Mai gemacht wird. Klar, die Veteranen, die den Krieg noch aktiv miterlebt haben, werden immer weniger, und gerade für die ist dieser Feiertag wichtig. Auf andere Weise wird ihnen ja eher wenig Anerkennung gezollt, wenn man mal von den unzähligen, oft wenig wertvollen Orden und Abzeichen absieht, die ihnen zu Sowjetzeiten verliehen wurden. Natürlich ist dieser Tag Anlass, auch immer wieder der Sowjetunion an sich zu gedenken und in Nostalgie zu schwelgen.

Wie dem auch sei – Ehre, wem Ehre gebührt (das Denkmal meine ich damit ganz sicher nicht). Aber muss man unbedingt wieder schwere Militärtechnik über den Roten Platz rollen lassen? Ein Haufen Geld wurde in vorübergehende Maßnahmen gesteckt, damit der Rote Platz und die Örtlichkeiten drumherum hinterher nicht ganz so lädiert aussehen – hätten sie lieber den Veteranen die Rente aufgestockt, das wäre sinnvoller gewesen. Außerdem werden seit zwei Wochen abends immer wieder mal der besagte Roten Platz, das Stadtzentrum und die Zufahrtswege absperrt und alle dort geparkten Fahrzeuge abschleppt (könnte ja ein Bömbchen drin liegen), damit die Panzer und Raketenträger mal ungestört proberollen können. Gestern waren zur „Begeisterung“ einiger meiner Kollegen und vieler anderer Autofahrer sogar morgens – unangekündigt – die Leningrader Chaussee und diverse andere Straßen dicht, mitten im Berufsverkehr. Generalprobe! 

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3 Antworten

  1. Ich denke, dass es in den zukünftigen Siegesfeiern zum 9. Mai immer mehr um Militärtechnik gehen wird.

    In den vergagenen Jahren hatte ich den Eindruck, dass der 9. Mai ein Tag der Veteranen sei. Jedoch sterben diese langsam aus. Und somit braucht die Siegesfeier ein neues Leitmotiv.

    Auf den Plakaten zum 9. Mai hat der Wechsel schon stattgefunden. Es gibt immer weniger Plakate mit Abbildungen von Veteranen, dafür immer mehr mit Abbildungen von den „Waffen des Sieges“.

  2. Eine Kollegin meinte, das könnte auch damit zu tun haben, dass ja nun ein Neuer an der Spitze des Riesenreiches steht – nach dem Motto: „Falls jemand Zweifel hat – wir sind groß und stark, egal ob der Chef nun Putin oder Medvedjev heißt“.

  3. Hat jemand von Euch schon mal die Feiern am Veterans Day gesehen (oder gar besucht) ?

    Oder am Independence Day ?

    Schon klar, ihr lebt in Moskau – sitzt an der „Quelle“ für Infos aus der „РФ“ … darüber aber bitte nicht den Militarismus der USA und der NATO vergessen.

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