Moskauer Mietpreise…

…haben es in sich. In einer solchen Riesenstadt mit riesenvielen Einwohnern, Zuzüglern, Pendlern, Gästen und Gastarbeitern ist Wohnraum immer knapp. Und neu gebaute Wohnungen kommen nur in den wenigsten Fällen denen zugute, die am dringendsten eine brauchen – die Warteliste für die kostenlose Zuteilung von (sozialem) Wohnraum ist lang, in Moskau warten wohl um die 160.000 Familien auf eine „Verbesserung ihrer Wohnbedingungen“, wie das im Beamtenrussisch heißt. Manche stehen schon 20 Jahre und länger auf der Liste. Zwar soll sich die Liste bis 2010 um die Hälfte verkürzen – aber ob das dadurch geschieht, dass die Leute tatsächlich Wohnungen bekommen oder ob einfach bestimmte Ansprüche und damit Leute von der Liste gestrichen werden, ist unklar.

Viele, wenn nicht sogar die meisten Moskauer leben in der Wohnung, in der sie und/oder ihre Eltern zu Zeiten der Sowjetunion schon wohnten, denn für die braucht man keine Miete zahlen: Entweder man pachtet die Wohnung quasi von der Stadt oder vom Staat für wenig Geld. Oder man hat die Wohnung privatisiert, das heißt, sie wurde in Privateigentum umgewandelt, was zwar mit einigem bürokratischen Aufwand und Rennerei verbunden ist, aber insgesamt nicht besonders viel kostet. Das ist der Grund dafür, dass relativ viele Moskauer in Eigentumswohnungen wohnen.

Problematisch wird es, wenn die eigenen Kinder groß werden und eigentlich selber eine eigene Wohnung bräuchten… Gut, wenn dann die Oma oder der Onkel rechtzeitig stirbt und deren Wohnung frei wird. Auch gut, wenn man Glück hatte und die Baufirma nicht pleite gegangen oder mit dem Geld verschwunden ist, das man günstig in eine Wohnung investiert hat, als es diese erst auf dem Papier gab. Noch besser, wenn man – wie auch immer – an mehrere Wohnungen gekommen ist, denn dann hat man selbst ein Dach über dem Kopf und kann auch anderen für teures Geld eins anbieten. Von den Mieteinnahmen bezahlt man dann die nächste Wohnung… oder ein Haus in Spanien.

Jedenfalls: Wer irgendwie kann, kauft Wohnraum. Wenn man selbst keinen braucht, kann man damit immer noch richtig gutes Geld verdienen:

  •  13m² mit Balkon in 3er-WG, möbliert, ziemlich weit draußen (per Metro 25 Minuten bis zum Zentrum) – 400 Euro.
  • 16 m² in WG, möbliert, im Zentrum – 700 Euro.
  • 2-Zimmer-Wohnungen, möbliert, am südlichen Stadtrand (Metro Krasnogvardejskaja) – zwischen 800 und 2000 US-Dollar (für ca. 50 +/-5 m²).

Wer mietet, kann sich übrigens selten „sein eigenes Nest“ einrichten. Möbliert heißt, dass die Möbel der Vermieter drin sind, die sie selber nicht mehr brauchen – ob die einem nun gefallen oder nicht. Schlösser wechseln darf man nicht, und so kann es sein, dass die Vermieter unverhofft mal zu Besuch kommen (und dass möglicherweise danach der eine oder andere Wertgegenstand fehlt). Wenn man renovieren möchte, muss man die Eigentümer fragen – und wenn ihnen die frisch hergerichtete Wohnung dann gut gefällt, kann es sein, dass der Mietvertrag kurzfristig gekündigt wird. Ach und Mietverträge werden sowieso nur für 11 Monate abgeschlossen – sonst müsste man sie offiziell registrieren, und das hieße Mieteinnahmen versteuern. Außerdem kann man so alle 11 Monate die Miete anheben, und wenn es dem Mieter nicht passt, muss er eben gehen.

Noch Fragen, warum wir nicht in Moskau wohnen, sondern draußen auf dem Lande?

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