Des einen Leid…

… ist des anderen Sieg beim Tipp-Spiel. Schade, dass nicht Deutschland die EM gewonnen hat, das bedauere ich schon, wobei ich jetzt nicht zutiefst betrübt bin, denn nach dem zweiten Viertelfinale habe ich mich aus dem Trubel ausgeklinkt. Zu viel Nerven, zu wenig Schlaf und ein Haufen Stress auf der Arbeit – das halte ich auf Dauer nur bedingt durch, und der Muffel-Indikator war schon bedenklich in den roten Bereich gerutscht.

Jedenfalls habe ich am Freitag den letzten und entscheidenden Tipp (diesmal mehr realistisch als patriotisch) zugunsten der Spanier abgegeben, weil mein Mitanwärter auf dem Tipp-Thron bei Punktegleichstand für einen deutschen Sieg getippt hatte und ich klare Verhältnisse schaffen wollte, damit wirklich einer das Tipp-Spiel gewinnt. Na, und das bin nun ich. Da gratulier ich mir mal 🙂

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Es ist vorbei.

In Moskau kehrt nach dem Hype der vergangenen Tage und der gestrigen Niederlage der russischen Nationalmannschaft nun langsam wieder Ruhe ein. Die Kollegen geben sich alle bewusst gelassen, als würde es ihnen gar nichts ausmachen, dass das EM-Finale ohne Russland stattfindet… dabei möchte ich wetten, dass sie sich insgeheim schon als Sieger der EM sahen 😉 Soll ihnen ja auch gegönnt sein. Andererseits bin ich immer noch der Meinung, die ich letzte Woche schon per Kommentar geäußert hatte: Wenn Russland nach Eurovision, UEFA-Cup und Eishockey-WM nun auch noch die EM gewonnen hätte, wäre wahrscheinlich wieder eine Welle von „Russland gegen den Rest der Welt – wir sind die Größten“ über das Land gerollt. Außerdem fielen auch schon solche Äußerungen wie „Am Sonntag rächen wir uns an den Deutschen für 1941…“ – aber ich würde mal sagen, das ist kein typisch russisches Phänomen, Idioten gibt es überall, und auch in Deutschland durfte man ja schon so abgedrehte Sachen wie „Wir sind Papst!“ lesen. Immerhin ist das Konfliktpotential für uns Deutsche hier in Russland nun wieder auf Normalstand, und nach der Niederlage gegen Spanien werden die Russen vielleicht sogar eher der deutschen Mannschaft den Sieg wünschen. Ich hole jedenfalls schon mal meine deutsche Flagge raus 🙂

Statistik

Ein oder mehrere Besucher haben in den letzten Tagen hierher gefunden, weil sie Angaben zu Statistiken für Russland suchten. Vielleicht kann ja die betreffende Person hier per Kommentar mal mitteilen, welche Art von Statistik gewünscht wird – z.B.

  • Pro-Kopf-Wodkakonsum während der Fußball-EM
  • Entwicklung der beliebtesten Männernamen in der Regierungszeit Jelzin/Putin/Medvedjev
  • durchschnittliche Länge der Röcke und Absätze russischer Damen
  • … ,

dann kann ich vielleicht auch behilflich sein – aber so ins Blaue hinein geht das schlecht. Ich habe derzeit Daten zu Bankrottverfahren, offenen Forderungen und Export/Import der Jahre 2000 bis 2007 für Russland verfügbar, weil ich die selbst kürzlich brauchte, bin aber gern bereit, im Rahmen meiner Möglichkeiten auch andere Informationen zu besorgen. Eine gute Quelle für statistische Angaben zu Russland ist übrigens die Föderale Behörde für staatliche Statistik der Russischen Föderation.

so sieht man sich wieder

Zur Zeit ist auf Arbeit unheimlich viel zu tun, und zwar größtenteils Dinge, die gar nicht in meinen direkten Aufgabenbereich fallen. Da passte es mir gar nicht, dass ich abends mit ein paar Kollegen auch noch auf das Sommerfest der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer sollte, auch dienstlich natürlich. Sowas ist ja eigentlich immer ganz nett, meistens gibt es bei solchen Anlässen irgendwelche Leckerheiten und so, außerdem schadet ein wenig Abwechslung im Arbeitsalltag nie – aber wenn sich der Schreibtisch biegt, Termine drücken und ich nachts schon von den Sachen träume, die alle noch dringend auf Erledigung warten, feiert es sich irgendwie nicht so leicht. Und so hatte ich dementsprechend auch keine besondere Lust. Andererseits ist es auch blöd, die eigene Unlust dann so raushängen zu lassen, deswegen habe ich mich zusammengerissen und gute Laune verbreitet – der Taxifahrer war ganz locker drauf, die Kollegen zogen dann auch nach, und mit Brezel und Bier im Hotel-Biergarten saß es sich dann auch ganz nett, aber ich war doch irgendwie noch nicht so überzeugt vom Sinn meiner Anwesenheit bei dieser Veranstaltung.

Und dann bekam der Abend plötzlich eine Wendung, die ihn ganz toll und unvergesslich machte: Zusammen mit unserer Lieblingsanwältin und noch einer Kollegin kam — Sascha, ein „alter Freund“ (und dabei ist er noch nicht mal 30), den ich vor acht Jahren in Krasnojarsk kennengelernt habe und der dann für ein Jahr zum Studium nach Passau kam. Wir hatten uns zufällig 2006 in Moskau getroffen, nachdem mein damaliger Chef mir eine Mail von Sascha weitergeleitet hatte – es stellte sich raus, dass er in einer Kanzlei gleich um die Ecke von meiner arbeitete und gerade wieder die Koffer für Passau und ein Aufbaustudium packte. Dann haben wir uns irgendwie aus den Augen verloren – und gestern beim Sommerfest erst wieder gesehen. Ich hab mich total gefreut, und allein deswegen hat sich der Abend also doch richtig gelohnt. Ich hoffe, das nächste Treffen lässt nun nicht wieder so lange auf sich warten…

So klein… und soooo laut!

Neulich freitagabends stand ich an einer Kreuzung im Süden von Moskau – und traute meinen Augen kaum, als ich mich nach dem Geräusch umguckte, das sich da von hinten näherte: Eine Harley? Ein Traktor? Nein – eine „Oka“, das russische Gegenstück zum Daihatsu Cuore brummte da fröhlich vor sich hin und an uns vorbei. Nicht umsonst nennt man diese Autos auf Russisch „beshennij stulchik“ – „rasendes Stühlchen“:

Ich glaub, ich geh jetzt nach Hause.

Irgendwie krieg ich gerade nichts mehr gebacken.

Es nervt, dass sich ein Haufen Krempel auf meinem Schreibtisch tummelt, für den ich eigentlich gar nicht zuständig, aber nun dennoch verantwortlich bin.
Es nervt noch mehr, dass andere Leute, die eigentlich zuständig wären, sich so gar nicht verantwortlich fühlen.

Wozu braucht man Rechtsanwälte, wenn die unsere Unterlagen unpünktlich, fehlerhaft oder gar nicht vorbereiten? Was nützt es, wenn man ihnen dauernd hinterher laufen muss, anstatt dass die werten Kollegen Juristen selbst an Fristen und Dringlichkeiten denken?  Wieso müssen wir sie auf Sachen aufmerksam machen, die sie eigentlich uns erklären sollten? Wie kann es sein, dass in dieser Kanzlei die rechte Hand nicht weiß, was die linke macht? Die wollen die für solche stümperhafte Arbeit einen Haufen Kohle – und kriegen es nicht mal fertig, sich für die ganzen Patzer, die sich sich im letzten halben Jahr geleistet haben, wenigstens zu entschuldigen. Blöde Banausen.

Wozu braucht man eine Werbeagentur, wenn die nach zwei Wochen auch nur das Konzept präsentiert, das wir schon als Grobentwurf eingereicht hatten? Was nützt mir die Agentur, wenn ich selber die kreativen Ideen für Überschriften und Gestaltung liefern soll? Wieso bekomme ich einen deutschen Text mit den Formulierungen für unsere deutsche Firma, wenn vorher groß und breit darüber diskutiert wurde, dass wir einen englischen Text brauchen und unser Profil ganz anders ist als das der deutschen Firma? Was nützt es, wenn ich als Laie irgendwelche Schemata bastle und die Agentur es nicht mal nötig hat, die an unser Firmendesign anzupassen? Aber gerade weil diese Agentur unser Firmendesign so gut kennt und „aus dem Schlaf“ beherrscht, mussten wir den Auftrag doch nach Deutschland abgeben, anstatt eine hiesige Agentur zu beauftragen, die uns längst eine fertige Broschüre geliefert hätte. Und bezahlen sollen wir den völlig überflüssigen deutschen Entwurf wahrscheinlich auch. Verflixte Saubande.

Lasst mich doch bitte meine Arbeit machen und nicht eure!

Rossia vperjod!

Das war doch ein wirklich schönes Spiel gestern (auch wenn die Schweden noch ein Tor hätten schießen müssen, damit ich beim Tippspiel auf meine 3 Punkte und wieder auf Platz 1 der Tabelle gekommen wäre). Ich freue mich jedenfalls für die russische Mannschaft  – wäre schon Klasse, wenn sie so eine tolle Leistung noch mal hinkriegt – und gratuliere stellvertretend mal meinen Kollegen.

Jetzt guck ich zwar wie ein Waldkauz, weil ich bisher erfolglos versuche, irgendwie meine Augen richtig aufzukriegen, denn dank Zeitverschiebung fangen die Spielübertragungen hier erst 22:45 an und sind demzufolge auch erst gegen 0:30 zu Ende. Für mich als arbeitende Bevölkerung mit notorischem Schlafbedürfnis ist das Gift, aber gestern hat sich das lange Aufbleiben gelohnt. Ob ich das heute wieder schaffe, weiß ich nicht – und ich hadere auch noch mit mir, ob ich beim Tippspiel heute realistisch oder patriotisch tippen soll…