Schnipsel

Ich fahre zur Arbeit inzwischen meistens mit dem Zug und nicht mehr mit der U-Bahn bis ins Zentrum – die Haltestation ist von uns nur 10 Autominuten entfernt, die U-Bahn-Station (wenn kein Stau ist) ca. 20. Außerdem kann man an meiner Station ganz ohne Gedrängel einsteigen, bekommt immer einen Sitzplatz und kann in Ruhe vor sich hin dösen, lesen oder aus dem Fenster schauen. Heute früh hatten wir einen besonders gut gelaunter Zugfahrer – anstelle der üblicherweise mufflig dahin genuschelten Ansagen klang heute eine freundliche Stimme vergnügt aus dem Lautsprecher. An der Endhaltestelle dann: „Wir haben unser Ziel erreicht und verabschieden uns, wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Arbeit und Glück im Privatleben.“ Wieder eine erfreuliche Ausnahme von der allgemeinen Unfreundlichkeit.

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Unsere Abteilung ist letzte Woche in andere Räumlichkeiten umgezogen, wo wir auch eine kleine Teeküche haben. Auf meine Frage, wann Waschbecken, Durchlauferhitzer und Spülmaschine angeschlossen werden, die Antwort meiner Kollegin per Mail:
„Die Sachen werden wahrscheinlich morgen angeschlossen. Wir wollten, dass das ein Spezialist macht, aber der war krank, deswegen hat die Firma uns angeboten, dass ein Zimmermann (!!!) uns alles anschließt, aber darauf haben wir dankend verzichtet und warten lieber auf den Profi…“

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Bitte recht freundlich

Eine der anstrengendsten und gewöhnungsbedürftigsten Dinge in Moskau ist die allgemein verbreitete Unfreundlichkeit der Leute. Natürlich gibt es immer Ausnahmen – wie z.B. die nette Kassiererin im „Bulotchka Brioche“ an der Metro „Oktjabrskaja“, aber das sind eben leider doch Ausnahmen. 

Mittlerweile hab ich auch ein gewisses Verständnis dafür, dass die Leute generell genervt sind – Moskau ist mit seinen riesigen Ausmaßen und seinen 15 Millionen Einwohnern einfach wirklich sehr stressig. Wenn man z.B. Hauptberufszeit 1-2 Stunden von zu Hause zur Arbeit braucht und diese entweder mit ungeduldigen Autofahrern im Mega-Stau oder mit wie Sprotten in eine Konserve gequetschten, müden Passagieren  im öffentlichen Verkehrsmittel verbringt und das gleiche abends auf dem Heimweg wieder vor sich hat, ist man irgendwann weder besonders freundlich, noch besonders rücksichtsvoll. Und wenn die Bedienung bereits 11 von 12 Schichtstunden hinter der Wursttheke im Supermarkt stand, wird sie gegenüber Kunden schon auch mal pampig.

Man könnte sich natürlich trotz eigener Anspannung und Müdigkeit um eine gewisse Höflichkeit bemühen und sich nicht einfach gehen lassen, aber manchen fehlt dafür die gute Kinderstube, und anderen fehlt dafür einfach die nötige Kraft. Damit muss man sich einfach abfinden, denn Sich-drüber-aufregen bringt in den meisten Fällen gar nichts. Aber sich davon anstecken lassen muss man noch lange nicht:

Artikel veröffentlicht in der Moskauer Deutschen Zeitung

leider

Heute früh um 6:45 endete mit dem Klingeln des Weckers mein Urlaub. Seufz. Er hätte gern noch so 2-3 Monate länger dauern dürfen…