Ich schlief so ein bisschen…

Es ist manchmal schon nervig, wenn einem auf dem Weg zur Arbeit oder von selbiger nach Hause in der Elektritschka alle Nase lang irgendein fliegender Händler mit mehr oder weniger marktschreiender Stimme Holzmassageroller oder Taschenlampen oder MP3-Musik-CDs oder indische Wundersalben oder sonstwelchen Mist anzudrehen versucht. Morgens hab ich im Zug meistens meine Ruhe, weil diese Damen und Herren üblicherweise den Zug vorher oder den danach nehmen.

Heute allerdings, wo ich unausgeschlafenerweise noch eine Dreiviertelstunde Vor-Mich-Hin-Dösens genießen wollte, wurde ich mittendrin recht unsanft aus meinem seelischen Gleichgewicht gerissen: Ein junger Mann stand am Ende des Waggons und… sang! Oder er versuchte es jedenfalls, ohne Begleitung und Talent. Er hatte sich ein russisches Volkslied ausgesucht, das zu meiner Situation eigentlich sehr gut passte, kommen doch dort gleich in der ersten Strophe die Zeilen „Oi, da nje vetcher, to nje vetcher / Mnje malim-malo spalos“ (Ach, irgendwie ist es nicht Abend / Ich schlief so ein bisschen vor mich hin…) vor. Er dachte womöglich, er tut den Leuten einen Gefallen, denn er hatte in Erwartung freundlicher Belohnung auch eine Mütze dabei. Aber er sang es so quäkend und ziehend und rutschte mit jeder der fünf Strophen einen Viertelton höher, dass es wirklich eine Qual war und ich wirklich drauf und dran war, aufzustehen, hinzugehen und ihm ein paar Rubel anzubieten, nur damit er bitte-bitte aufhört mit seinem Gequäke. Aber bis ich mich aufraffen konnte, war er dann doch schon durch mit seinem Lied und sichtlich enttäuscht, dass niemand auch nur mit ein paar Kopeken seine Sangeskünste honorierte…

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Soll er doch!

In letzter Zeit höre ich hin und wieder von Freunden und Bekannten aus Deutschland dei Frage: Was sagste denn zu der Amtszeitverlängerung von 4 -6 Jahre von eurem Präsidenten??
Nun, eigentlich ist mir das ziemlich wurscht, ob der nun 4 oder 6 Jahre im Kreml hockt, denn es ändert ja doch nichts. Dass Onkel Wowa nach seinem Nachfolger den Thron erneut besteigen kann, ist ja kein Geheimnis, dann darf er wieder zweimal „gewählt“ werden und eben ein bisschen länger drauf sitzen. Und im Anschluss finden sie bestimmt auch wieder einen würdigen Nachfolger, der sich fleißig an der Verwirklichung von Putins Plan versucht.

Schlimm finde ich an der Amtszeitverlängerung, ehrlich gesagt, nichts. Anderswo ist das ja auch üblich: in Frankreich waren es wohl früher zweimal 7 Jahre Amtszeit für den Präsidenten, jetzt xmal 5 Jahre – auch ganz schön lange. Der Bundeskanzler hat irgendwie auch keine zeitliche Beschränkung für sein Schaffen (man erinnere sich: 16 Jahre Kohl!!!). Und der Papst darf muss sogar auf Lebenszeit.

Schlimm ist höchstens, wie das ganze politische Szenario sich hier insgesamt gestaltet – das ist wie ein Karussel: Dreht sich und dreht sich, aber kommt nicht vom Fleck… und dann ist ja letztlich auch egal, wer da auf welchem Pferdchen sitzt.

 

Nicht, dass sich jemand wundert…

weil ich in letzter Zeit irgendwie so selten was schreibe. (Wundert sich eigentlich jemand?) Es ist alles in bester Ordnung, und obwohl wir hier schon Nachtfrost und auch sonst nicht besonders hohe Temperaturen haben, ist der Winterschlaf noch nicht ausgebrochen. Es ist auch nicht so, dass es nichts zu erzählen gäbe. Und trotzdem herrscht hier relative Funkstille… und das ist in der Tat schon ein wenig wunderlich. Aber auch nicht wirklich schlimm, oder? 🙂