Schwach geworden

Von wegen Schokoladenverzicht auf unbestimmte Zeit. Wer konnte auch ahnen, dass in einem unserer beiden Stammsupermärkte meine absoluten Lieblingsleckerli als Sonderangebot herumliegen? „Herzen, Sterne, Brezeln“ … ich dachte ja, die Gefahr war nach unserer letzten Heimatvisite im Dezember gebannt, da hatten wir zwei Kisten HSB mitgebracht – die deutschen Weihnachtsspezialitäten wie Spekulatius, Dominosteine und eben Lebkuchen gibt es hier nämlich nicht, und bis Weihnachten ist es ja nun auch wieder ein Weilchen hin. Aber da hier auch keiner weiß, dass das Weihnachtsspezialitäten sind, hat man der HSB-Verpackung einen hübschen, frühlingshaften Anstrich verpasst (ist ja schließlich bald Frauentag hier) – ich hab sie natürlich trotzdem gleich erkannt, die große Palette mitten im Mittelgang direkt gegenüber dem WodkaSpirituosenregal war ja auch nicht zu übersehen. Leider. Ich hoffe, beim nächsten Supermarktbesuch sind die Dinger ausverkauft. Oder wir fahren in den anderen. Denn dieser Versuchung kann ich nicht widerstehen.

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Schnee

… ist schön.

Viel Schnee ist auch mal ganz schön.

Aber sooo viel Schnee wie in den letzten Tagen ist schon gar nicht mehr schön – wir sind nämlich auf unserer Datscha quasi eingeschneit, und mein lieber Mann kommt schon seit zwei Tagen nur mal schnell auf eine Tasse Tee oder zum Wechseln der durchnässten Schuhe nach Hause und schippt ansonsten von früh bis spät die Unmassen von Schnee irgendwo hin, damit wir vom Hof und aus der Gartensiedlung raus kommen. Ein Kettenfahrzeug haben wir nämlich nicht, und die Frischfuttervorräte gehen allmählich zur Neige 🙂

Edit: Auf Wunsch eines einzelnen Herrn hier ein paar Bilder:

Risiken und Nebenwirkungen

Ich bin heute bei einem Sprung durch meine Link-Liste auf einen Artikel gestoßen, in welchem Russland Kinderfreundlichkeit und Optimismus attestiert werden. Da heißt es unter anderem:

Das ganze Land scheint eher auf dem “Trip zur Lebensfreude” zu sein, frei nach dem Motto “Wir wissen zwar nicht wie es weitergeht, aber weitergehen wird es, das ist klar.”
Auf unserem Hof haben wir einen Kindergarten. Morgens kann man da die kleinen Natashas und Igors selbst bei kalten Temperaturen sehen wie sie im Schnee spielen und lärmen. Niemand würde ernsthaft auf die Idee kommen das fröhliche Lärmen der Kleinen unter irgendeinem Lärmschutzaspekt naserümpfend zu betrachten. Kinderlärm ist Teil des Alltagslärms und stört niemanden.

 Diese Art von Optimismus  und Kinderfreundlichkeit ist es letztlich auch, die  mir diese Land so sympathisch macht.

  
Das ist eine Meinung, und jeder darf ja seine eigene haben. Interessieren würde mich, ob der Autor selbst kleine Kinder hat… denn gerade seit unser Mädchen auf der Welt ist, finde ich Russland viel weniger sympathisch. Klar erlebe ich immer wieder ganz herzliche und freundliche Reaktionen von fremden Leuten, wenn wir mit Knirps unterwegs sind – sei es im Supermarkt oder im Krankenhaus oder in der Kirche, und das ist schön, keine Frage.
 
Aber die Kinderfreundlichkeit eines Landes würde ich nicht daran messen, ob sich jemand über einen Kindergarten als Ruhestörer aufregt, sondern eher an den Bedingungen, mit denen Familien mit Kindern und die Kinder selbst konfrontiert werden. Allein die Tatsache, wie wahnsinnig viele Abtreibungen in Russland stattfinden, zeigt mir, dass Kinder hier nicht so sonderlich willkommen sind. Die sozialen Bedingungen lassen eine Familie auch hin und her rechnen: „Können wir uns ein (zweites) Kind leisten?“ Kindergeld ist mickrig, Erziehungsgeld für den Elternteil, der mit dem Baby zu Hause bleibt, lächerlich.
 
Kindergärten sind in den Wohngebieten reichlich vorhanden, das ist positiv, aber ob die dein Kind aufnehmen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vielleicht muss man da erst jemanden „schmieren“, und wehe, das Kind ist nicht geimpft (obwohl es ein Gesetz gibt, das Erziehungseinrichtungen verbietet, Kinder aus diesem Grund abzulehnen). Und wenn die kleinen Natashas und Igors in ihrem Kindergarten Salzhering (!) zum Frühstück bekommen und eine Flasche Wasser dazu, damit die Grätchen besser rutschen, verschwitzt im Zimmer mit offenem Fenster sitzen, damit ein paar von ihnen krank werden und die Tanten weniger zu tun haben, und bei der ärztlichen Untersuchung die Impfkeule reingedrückt bekommen, obwohl Mama eine schriftliche Erklärung abgegeben hat, dass ihr Kind nicht geimpft werden soll… ist das kinderfreundlich?

 .

Wenn die kleinen Natashas und Igors halb wahnsinnig werden, weil sie mit Mama schon 4 Stunden in der Kinderpoliklinik warten, dass sie endlich dran kommen, weil es grundsätzlich keine Terminvereinbarungen gibt, und einem im staatlichen Kinderkrankenhaus, wo Knirps mit Bronchitis liegt, vom Pflegepersonal gesagt wird: „Mamascha, Sie sollten besser das Licht anlassen und nicht schlafen, sondern gucken, dass Ihrem Kind keine Kakerlaken in die Ohren kriechen“… auch sehr kinderfreundlich
 
Diese Beispiele habe ich mir übrigens nicht ausgedacht.
 

 

Was den Optimismus betrifft: eine Einstellung, die die Leute jeden Tag so leben lässt, als wäre der heutige Tag womöglich der letzte – die finde ich eigentlich nicht besonders optimistisch, sondern eher verzweifelt. Nur nicht an das Morgen denken und daran, woher das Geld für Wohnung, Autokredit und Ausbildung der Kinder kommen soll – oder daran, dass Öl und Gas nicht unendlich sind und man den Worten „Wir müssen unsere Wirtschaft diversifizieren“ endlich auch mal Taten folgen lassen muss. 
 
Andererseits ist mir auch klar, dass man ohne ein bestimmtes Maß an Zweckoptimismus hier nicht weiterkommt. Wer starrt schon bereitwillig in eine ungewisse Zukunft? Lieber nicht so weit nach vorne schauen, da kann einem die Lust am Leben auch vergehen. Und deswegen kauft man heute den Plasmafernseher auf Raten, denn wer weiß, ob morgen nicht der Rubelkurs wieder abstürzt? Und wochenends werkelt man an seinem Gartenhäuschen rum, auch wenn schon nächste Woche die Bulldozer und OMON vor der Gartensparte stehen können, weil angeblich irgendein Papier fehlt und das Ding somit illegal ist, aber eigentlich nur Platz für die nächste Luxussiedlung geschaffen werden muss (passiert derzeit mit der Gartensparte „Retchnik“ in Moskau). Und im Kühlschrank ist ein ganzes Fach nur für die Tropfen und Pillen und Cremes reserviert, für die – anders als der Autor des o.g. Artikels das sieht – auch im russischen Fernsehen und Radio rund um die Uhr ausgiebig geworben wird: Gelenksalbe und Anti-Erkältungspülverchen, Potenzpillen, Herz- und Beruhigungsmittel, Schmerztabletten und – ganz vorn – alles, was dem Verdauungstrakt helfen soll, die Folgen von übermäßigem ungesunden Essen und Trinken zu verkraften. Denn der „Trip zur Lebensfreude“ soll ja noch ein bisschen weiter gehen.

Test-Senf

Laut WordPress-Info soll es jetzt möglich sein, Einträge per E-Mail zu verfassen und ins Blog zu stellen. Das würde mir die Perspektive eröffnen, trotz gesperrtem Zugang vom Büro aus und lahmem Netz zu Hause auch ohne Aufruf meiner Seite spontan mal den ein oder anderen Senf zu diversen Würstchen dazu zu geben. Mal sehen, ob es klappt…

erfrischend

Der notgedrungene Besuch eines Straßenklohäuschens bei -22 Grad ist… nun… erfrischend!

(Da kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes den Hintern abfrieren.)

Veränderungen Teil 1

(Naja, die allerersten Veränderungen gab es schon im Dezember: Haare ab, neue Frisur, ganz spontan am letzten Abend der leider letzten Dienstreise nach Deutschland.)

Ab heute: Schokoladenverzicht. Freiwillig und für unbestimmte Zeit. Irgendwie muss man ja mal anfangen, sonst wird das nix mit dem einen der (zwei? drei?) großen Ziele für dieses Jahr, welches da heißt „-15“.

Gleichzeitig hab ich mit etwas „sportlicher Betätigung“ angefangen – naja, erst mal ohne Fitness-Studio und so, dafür hab ich keine Zeit, aber ich lauf seit heute vom Bahnhof zu Fuß zur Arbeit und zurück. Immerhin 35 Minuten jeweils und nicht getrödelt. Es ginge zwar noch schneller, aber da ich teilweise durch zentimeterhohen Schnee stapfen oder rutschige Treppen von Fußgängerunterführungen runter und wieder hoch kraxeln muss, lieber auf Nummer sicher. Und man(u) will ja auch nicht völlig fertig im Büro ankommen. Zum Glück sind seit dieser Woche die Temperaturen wieder im Normalbereich bei ca. -5, denn ob ich bei -20 auch Lust auf lange Fußwege hätte, ist eher zweifelhaft. Ich gebe zu, dass mir zwei weitere Umstände die Entscheidung leicht gemacht haben: ÖPNV ist in Moskau und Umgebung seit Januar wieder kräftig teurer geworden, 60-er Ticket für die Metro jetzt 1080 Rubel, Elektritschka-Monatskarte um die 2000 Rubel (hier mal der Vorjahresvergleich), da spare ich wenigstens  die Metro. Mit der wäre ich nun dank der Umbauarbeiten an der Station, wo das Büro sich befindet, auch nicht viel schneller als zu Fuß, denn ich müsste einen Haken fahren und auch ein Stück laufen und in der Umsteigestation im wahrsten Sinne an der Rolltreppe im Stau stehen. Nun habe ich also endlich bisschen Bewegung, noch dazu an (fast) frischer Luft (hüstel).