Einholen und überholen

Das war eine gern benutzte Redewendung zu Sowjetzeiten, und das, was Boris Gryzlov, der „Chef“ der Partei „Jedinaja Rossia„, mittlerweile auch „Partei der Macht“ genannt, heutzutage so von sich gibt, klingt ganz ähnlich. Bei einem Treffen mit selbigem kündigte Präsident Medvedjev an, dass nach dem Fiasko der russischen Mannschaft bei Olympia (15 Medaillen und nur 11. Platz in der inoffiziellen Mannschaftswertung) die Schuldigen bestraft würden und diverse Sportfunktionäre ihren Hut nehmen sollten.

Der Sprecher der Staatsduma, der Vorsitzende des Obersten Rats der Partei „Jedinaja Rossia“ Boris Gryzlov nannte die Ergebnisse des Auftritts der russischen Mannschaft bei der Olympiade ebenfalls ein „systematisches Fiasko“.
Er merkte an, dass der Sieg in der Mannschaftswertung in Sotchi im Jahr 2014 ein nationales Projekt für Russland sei. „Die Partei „Jedinaja Rossia“ hält es für ihre Aufgabe, diese vierjährige Arbeit unter ihre besondere parteiliche Kontrolle zu nehmen,“ sagte der Politiker. Nach seinen Worten ist die Rede von einer ernsthaften Umgestaltung der Herangehensweise an die Vorbereitung der Sportler. „Das Hauptaugenmerk muss auf solche Sportler gelegt werden, die fähig sind, olympische Medaillen zu erringen,“ schloss der Sprecher der Staatsduma.

Der ganze Artikel in russischer Sprache hier.

Vielleicht sollte ich kurz erklären, was denn ein „nationales Projekt“ ist. 2005 nannte Wladimir Putin, damals noch Präsident, in einer Rede vier prioritäre nationale Projekte, die als „Investition in den Menschen“ angegangen werden und die Lebensqualität der Bürger Russlands merklich steigern sollten: Gesundheitswesen, Bildung, Wohnraum und Entwicklung der Landwirtschaft. In der Folge wurde auch die Verbesserung der demographischen Situation Russlands als neues nationales Projekt erwähnt. Man sieht also, dass das durchaus ernsthafte Anliegen von wirklich erheblicher Bedeutung für das Land und seine Bewohner sind, für die allerlei Maßnahmenpläne und Programme erarbeitet wurden und z.T auch schon umgesetzt werden.

Dass nun der Sieg Russlands in der Mannschaftswertung bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotchi von gleicher Wichtigkeit sein soll und deswegen in den Rang eines nationalen Projektes erhoben wird… das erinnert tatsächlich an die „guten alten Sowjetzeiten“: Im Land gibt es Probleme ohne Ende, aber Hauptsache, wir sind die Ersten im Weltraum.

Viele meiner russischen Bekannten hier in Moskau stehen übrigens der Tatsache, dass Russland Austragungsort von Olympia 2014 sein wird, eher skeptisch gegenüber. Die Riesengelder, die dafür ausgegeben werden und erfahrungsgemäß zu einem guten Teil in irgendwelchen privaten Taschen verschwinden, die sollten lieber in die Erhöhung der Renten und die Umsetzung der echten nationalen Projekte investiert werden.

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