Bitte stellen Sie bis auf weiteres das Atmen ein!

Irgendwie ist es schon wirklich nicht mehr lustig: Am Wochenende 40,1 Grad im Schatten, im Büro je nach Tageszeit zwischen 33 und 36 Grad. Ok, Sommer, das gehört halt dazu. Dass die Vermieter des Bürogebäudes ein Problem mit der Klimatisierung des Gebäudes haben, hatten wir ja auch schon festgestellt. Insofern ist der Durchzug, den wir mit Hilfe einiger Ventilatoren sowie offener Türen und Fenster hier geschaffen haben, die einzig denkbare Abhilfe.
 
Heute aber kommt zur Krönung der Chef der Gebäudeverwaltung rein und sagt: „Machen Sie doch bitte alle Fenster zu.“ Warum? „Der Premierminister kommt unsere Nachbarn besuchen.“ Wann er kommt, weiß keiner, wann er wieder abfährt, weiß erst recht keiner, aber draußen im Hof des benachbarten Institutes schleichen die Leute vom OMON rum und sorgen für Sicherheit und Ordnung. Und da muss der Otto-Normal-Büroarbeiter halt sehen, wo er irgendwo noch Luft zum Atmen herkriegt.

Mit letzterer ist es sowieso ganz übel im Moment – wenn man sich vorstellt, wie schlecht die Luft in Moskau normalerweise schon ist (nämlich sehr schlecht), kriegt man das kalte Grausen bei Meldungen, dass die Schadstoffbelastung derzeit um das 5-8fache erhöht ist. Zu den Industrie- und Autoabgasen kommt noch Rauch von Wald- und Torfbränden im Moskauer Umland, es hängt ein weißgrauer Schleier über und in der ganzen Stadt, man könnte fast meinen, es sei Nebel. Aber vom Nebel kriegt man weder Kopfschmerzen, noch brennende Augen. Naja, aber die Sicherheits- und Ordnungshüter sind anderweitig beschäftigt, die können sich nicht mit solchem Kleinkram abgeben.

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Was hab ich mir denn da erlaubt?!

Weil ich doch kürzlich von Höflichkeit schrieb, fiel mir nun wieder eine Begebenheit ein, die vor ca. anderthalb Monaten passierte und erklärt, warum mir die Zuvorkommenheit in Wien so auf- und gefiel.

Ich hatte ja schon früher mal was zum Umgang miteinander in Moskau geschrieben, und bei allem Verständnis für die Lebensumstände, die nicht einfach sind, finde ich es dennoch schade, dass die Menschen hier oft so knurrig sind. Neulich also kam ich früh mit der Metro an meiner Station an, und im Übergang vom Bahnsteig lag ein Mann ohnmächtig auf dem Boden. Ein paar Leute standen und knieten um ihn herum und versuchten zu helfen, ich bin dann zur Rolltreppenaufsicht gegangen, um da um Hilfe zu bitten – da ist ja ein Telefon. Nachdem ich also vorsichtig ans Kabüffchen geklopft und auf mich aufmerksam gemacht hatte, wurde ich grob angeschnautzt, ob ich nicht lesen könne, „KEINE AUSKÜNFTE“ stünde groß auf der Tür. Nachdem sie mich dann doch mal hatte reden lassen, setzte die dralle Dame fortgeschrittenen Alters ihre Keiferei fort: Was sie denn machen sollte? Meine Gegenfrage: “ Hilfe anrufen vielleicht?“ Und dann fing sie an zu schreien – wirklich wahr! Der sei doch bestimmt bloß besoffen und überhaupt, was sich die Leute einbilden würden, wegen jedem Scheiß sie dort zu belästigen.
Nachdem dann eine weitere Passagierin dorthin kam und mir sagte, der Mann sei wieder zu sich gekommen, es kümmere sich jemand um ihn, ließen wir die Rolltreppenaufsichtsfrau in Ruhe und fuhren mit der Rolltreppe hoch gen Ausgang. Nun sind die Rolltreppen ja recht lang, und so durften wir uns noch geschlagene zweieinhalb Minuten das Gekeife und Gezeter über Lautsprecher (!) anhören, das uns die Rolltreppendame wütend hinterher brüllte. Und das nur, weil sie jemand um Hilfe gebeten hatte…

Habe die Ehre

Heute und gestern war ich mal kurz in Wien, und ich war entzückt von der Höflichkeit, die die Menschen dort an den Tag legen. Die Verkäuferinnen lächeln, die Kunden machen Scherze und Komplimente, Geschäftsmänner gucken mit einem im Stadtplan, wo denn jetzt die Straße verläuft, in der das nächste Postamt ist – so ungewohnt und so angenehm!

Eigene Erdbeeren…

… schmecken immer noch am besten. Die sind vielleicht nicht so riesig wie die, welche es jetzt an den Erdbeerhäuschen gibt, die der „Sovhoz imeni Lenina“ aufgestellt hat, der nach Lenin benannte Landwirtschaftsbetriebes unseres Verwaltungsbezirks jenseits der Moskauer Stadtgrenze. Aber dafür kosten sie auch nix (die vier Pflänzchen, die ich vor zwei Jahren kaufte und auf das einzig vorhandene Beet im Garten setzte, sind mittlerweile ein kleiner Erdbeerdschungel geworden), sie sind ohne jeglichen Kunstdünger gewachsen, und sie haben die ein Aroma, das haut einen schier aus den Latschen. Und es weckt Erinnerungen an Kindheit und Opas Garten und die weltbeste Erdbeertorte, natürlich von Oma… und das Allertollste: Erdbeeren darf ich ja nun wirklich essen, zwar nicht gezuckert und erst recht nicht in einer Torte, aber wie gesagt: Dieser Geschmack braucht auch gar keine Nachhilfe.

Veränderungen Teil 3

Hm.. es sieht doch jetzt allen Ernstes so aus, als käme unverhofft Ziel 2 ins Visier. was sagt man denn da? Überraschung! 🙂