Mehr davon!

Wie hieß noch mal das nasse Zeug, was normalerweise immer mal wieder vom Himmel fällt? Ich hab’s schon vergessen, ist zu lange her, seit es das letzte Mal hier anzutreffen war. Ach ja – REGEN! Vor einer halben Stunde sah es tatsächlich kurz so aus, als würde es regnen, aber es war nur ein ganz kleines Nieselchen, die Straßen wurden nicht mal richtig feucht, und schon ist das bisschen Hoffnung wieder verdampft. Aber der Luft hat es gut getan, wenigstens ein paar von den Aschepartikelchen schweben jetzt nicht mehr ziellos in der Gegend herum, die Sonne sieht jetzt wieder normal aus und nicht wie ein orangeroter Mond umhüllt von Qualmschichten. Die Waldbrände und vor allem auch Gärten und Felder bräuchten allerdings schon eine ordentlichere Ladung Wasser.

Arche Noah 2010

Nach einer kurzen Atempause, die wir vorige Woche im Ausland hatten, dürfen wir seit Freitag die Moskauer Luft und alles, was sich derzeit darin befindet, wieder in vollen Zügen genießen. Wir haben schon bereut, dass wir überhaupt zurückgeflogen sind und uns in unserem kleinen Haus im Moskauer Umland verbarrikadiert, alle Fenster zugeklebt, Türen nochmals abgedichtet. Und so saßen wir am Wochenende wie in einem U-Boot und warteten, dass der beißende graue Schleier, der die Sichtweite am Wochenende auf ca. 300 m begrenzt hat, sich wieder hebt. Wir ertappten uns immer wieder dabei, wie wir am Fenster stehen und nach draußen gucken wie Leute auf hoher See, die auf den ersehnten Ruf „Land in Sicht!“ warten. Und wir wunderten uns, wie unsere Nachbarn Fenster und Türen aufreißen und draußen herum laufen und nebenbei quasi lebend geräuchert werden.

Uns geht es soweit gut – das schlaue Köpfchen und die geschickten Hände meines Liebsten haben unser Häuschen in eine Oase verwandelt, in der die Luft sauber und die Temperaturen erträglich sind. Vorausschauend wurde am Anfang der Hitze eine Miniklimaanlage in einem Zimmer eingebaut, die ist mittlerweile mit Kohlefiltern beklebt. Unser Ziegelofen sorgt für Luftzirkulation, ein Luftreiniger und eine weitere Dunstabzugshaube, beide behängt mit feuchten Tüchern, schaffen es, das bisschen Luft, was wir von draußen reinlassen, von Kohlenmonoxid und anderen Leckereien zu befreien, so dass es sich mittlerweile tatsächlich aushalten und ohne Kopfschmerzen schlafen lässt.

Zum Spazierengehen (Kind muss auch mal Energie rauslassen) sind wir übrigens gestern in den OBI im Einkaufszentrum „Mega Belaja Datcha“ gefahren. Im „Mega“ selbst hängt auch ein Schleier, aber am OBI-Eingang im Gebäude drin ist ein kleiner Innenspielplatz – und dort kommt die Luft ganz frisch aus der Belüftungsanlage. Empfehlenswert!

Heute musste ich nun wieder arbeiten, meine Atemschutzmaske ist wahrscheinlich gerade gut genug, dass man keine Aschepartikel einatmet, aber mehr Sauerstoff bekommt man natürlich nicht… und viele Moskauer laufen deshalb ohne jeglichen Schutz herum. Temeperaturen nach wie vor um die 40 Grad, über uns eine Dunstglocke… aber am Nachmittag wurde es endlich wieder etwas heller, der Nebel ist etwas gewichen. Wir warten weiter auf „Land in Sicht“.