Preved Medved!

Wieder ist das ganze Stadtzentrum gesperrt, an den Metrostationen stehen Leute vom OMON rum, schwarze Autos der Oberklasse mit besonderen Nummernschildern, abgedunkelten Scheiben und widerlicher Krächz-Hupe brausen noch mehr als sonst die Straßen entlang. Ich hatte beinahe vergessen, dass heute ja der Tag ist, an dem Putin und Medvedjev quasi ihre Rollen tauschen…

 

Medvedjev zu Putin: “Komm, jetzt bin ich mal oben…”

Die Kollegen diskutieren, ob der neue Präsident es schafft, ein eigenes Profil zu entwickeln, und ob er nach einer Amtszeit wohl wieder von Putin abgelöst wird. Wir werden sehen. Ich würde Medvedjev und auch Russland jedenfalls wünschen, dass der Personenkult um Putin zurückgeht und Medvedjev eine Chance bekommt, aus Putins übermächtigem Schatten zu treten. Ich denke nur mal an die Wahlplakate der regierenden Partei “Einiges Russland”:

pobeda Rossii

Plan Putina - pobeda Rossii” - der Plan Putins ist Russlands Sieg.

Erinnert ein wenig an den realsozialistischen Slogan: “Von Putin der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen”. An manchen Stellen sehen die Perspektiven aber auch ganz anders aus:

 beda Rossii

“Plan Putina - beda Rossii” - der Plan Putins ist Russlands Elend.

In diesem Sinne: Poka, Putin! Preved Medved!

Paradeprobe

Einer der beliebtesten Feiertage ist in Russland der 9. Mai, Tag des Sieges (über den Faschismus). Der Manumann ist der Meinung, dass dieser Feiertag mit jedem Jahr an Bedeutung gewinnt - die “neueren” Feiertage wurden vom Volk nicht wirklich angenommen, und was eignet sich besser zum künstlichen Hochputschen von Nationalstolz und Patriotismus? Die Erinnerung an vergangene Heldentaten.

Ein bisschen übertrieben finde ich (und nicht nur ich als Ausländerin) den ganzen Rummel aber schon, der besonders in diesem Jahr um den 9. Mai gemacht wird. Klar, die Veteranen, die den Krieg noch aktiv miterlebt haben, werden immer weniger, und gerade für die ist dieser Feiertag wichtig. Auf andere Weise wird ihnen ja eher wenig Anerkennung gezollt, wenn man mal von den unzähligen, oft wenig wertvollen Orden und Abzeichen absieht, die ihnen zu Sowjetzeiten verliehen wurden. Natürlich ist dieser Tag Anlass, auch immer wieder der Sowjetunion an sich zu gedenken und in Nostalgie zu schwelgen.

Wie dem auch sei - Ehre, wem Ehre gebührt (das Denkmal meine ich damit ganz sicher nicht). Aber muss man unbedingt wieder schwere Militärtechnik über den Roten Platz rollen lassen? Ein Haufen Geld wurde in vorübergehende Maßnahmen gesteckt, damit der Rote Platz und die Örtlichkeiten drumherum hinterher nicht ganz so lädiert aussehen - hätten sie lieber den Veteranen die Rente aufgestockt, das wäre sinnvoller gewesen. Außerdem werden seit zwei Wochen abends immer wieder mal der besagte Roten Platz, das Stadtzentrum und die Zufahrtswege absperrt und alle dort geparkten Fahrzeuge abschleppt (könnte ja ein Bömbchen drin liegen), damit die Panzer und Raketenträger mal ungestört proberollen können. Gestern waren zur “Begeisterung” einiger meiner Kollegen und vieler anderer Autofahrer sogar morgens - unangekündigt - die Leningrader Chaussee und diverse andere Straßen dicht, mitten im Berufsverkehr. Generalprobe! 

Sonntag im Büro

Gleiches Lied wie voriges Jahr - nur dass diesmal Freitag, der 2. Mai, als Brückentag frei war und ich stattdessen am heutigen Sonntag rabotten muss. Er kommt mir eher wie ein Montag vor, aber ich hatte ja auch etwas länger Pause, weil ich nämlich kurz Osterferien und dazu Besuch aus Germanien hatte. (Das orthodoxe Osterfest war dieses Jahre erst am letzten Aprilwochenende.) Und obwohl wir eigentlich jeden Tag unterwegs waren, haben wir dennoch nicht alles geschafft - obwohl ich immer der Meinung war, dass Moskau gar nicht sooo viel Sehenswertes zu bieten hat. So kann man sich irren. Apopos irren: Wenn mal jemand vorhat, das relativ bekannte Kloster “Neues Jerusalem” in Istra zu besuchen, dann würde ich davon abraten und stattdessen lieber nach Sergiev Possad in die “Troize-Sergieva Lavra” fahren, auch wenn ich da schon dreimal war - Istra lohnt sich leider überhaupt nicht, Sergiev Possad immer.

Nun ist statt plattgelaufener Füße erst mal wieder plattgesessener Hintern angesagt - aber das nächste lange Wochenende ist ja zum Glück nicht weit.

Nachtrag

Weil doch der Wurstmaxe meint, er lässt seine Würste in Russland produzieren, fiel mir noch was ein: Vieles, was in Russland produziert wird, schmeckt nicht mehr so wie in Deutschland. Das weiß ich vom angeblichen “Original Dresdner Stollen”, den ein sächsischer Bäcker hier in Moskau bäckt und der aber recht bröselig und nicht so saftig-lecker wie das richtige Original aus der Heimat ist. Und das habe ich neulich auch beim Ritter Sport-Naschen festgestellt - der Geschmack von einer der drei neulich hier in Moskau gekauften und verkosteten Schokis war deutlich anders, des Rätsels Lösung stand auf der Verpackung: diese eine (dunkelgrüne mit den ganzen Mandeln) wurde “im Auftrag von Ritter Sport” noch in Russland produziert, die anderen wurden wieder importiert. Ritter Sport hat nämlich seine Produktion in Russland mittlerweile eingestellt - wegen der Zutaten.

PS: Dieser Beitrag ist übrigens nicht werbefinanziert, mit Stollen und Schoki kenne ich mich einfach aus. Sollten sich die erwähnten Firmen zu einer kleinen Sachspende an die Redaktion hingerissen fühlen, steht diesem edlen Ansinnen meinerseits jedenfalls überhaupt nichts entgegen.

kein armes Würstchen

Ein Kollege hat mir gestern eine Nachricht weitergeleitet, die er aus Deutschlands Wurstblatt Nr. 1 hat:

Berliner liefert Currywurst zum Kreml
Berlin ist eben in aller Munde, sogar in Moskau
Unsere Currywurst erobert Russland!
bild.de, 19.04.2008

Sie ist ein Wahrzeichen von Berlin. Und Gregor Bier (35) einer ihrer bekanntesten Verkäufer. In seiner Promibude “Kudamm195″ schlemmten schon Hollywood-Schauspieler Tom Cruise (45), Panikrocker Udo Lindenberg, Kino-Star Heike Makatsch (36).
Jetzt will der Berliner das Erfolgsrezept exportieren nach Moskau, an den Roten Platz. Er verrät BILD: “Wir machen Ende Mai unsere Currywurstbude an der Tverskaja, dem ‚Kudamm von Moskau‘, auf.“ Er will den ersten Monat selbst hinterm Tresen stehen.
“Unser Stand wird auf der Dachterrasse des Ritz-Carlton sein mit einem sensationellen Blick direkt auf den Kreml“, schwärmt er.
Und wie bringt er die Würste ins Land - per Visum? Bier: “Sie werden in Moskau produziert, nach unserer Rezeptur von einem deutschen Fleischer”.

Da werden ihm ja die Kunden seine Würstchenbude einrennen - auf dem Balkon eines 6-Sterne-Edelhotels. Ich kann es mir richtig vorstellen, wie der von Kaviar und Schampus übersättigte russische Ölmulti zu seiner Natascha, Julia, Sveta sagt: “Schatzi, lass uns mal ins Ritz auf ‘ne Currywurst…”

Post!

So, nun also doch - die Karte, die ich mir vor einiger Zeit selber geschrieben habe, um zu testen, ob die postlagernd ankommt. Und siehe da, es klappt! Und sie hat wohl auch nur 9 Tage gebraucht, wobei man sie dann, als ich sie abholen wollte, nicht gleich fand. Egal - hier ist sie, und wer weiß, wie ich mit vollem Namen heiße, kann mir jetzt auch Post schicken.

 

PS: Wäre ja mal einen Versuch wert, einfach an ”Manu” zu schreiben, mal sehen, ob das auch funktioniert.

Wurm drin (oder draußen)

Mensch, jetzt will ich die ganzen Tage schon was schreiben, und es klappt nicht! Erst ist keine Zeit, und dann vergesse ich irgendwann, was ich doch unbedingt noch sagen wollte, weil ich gerade so viel um die Ohren habe. Oder ich kriege die Postkarte, die hier schon zwei Wochen rumliegt, nicht gescannt oder geknipst, um sie der Welt zu präsentieren. Und nun, wo ich seit letztem Mittwoch mit herzhaft-bösartigem Termindruck erst Web-Seiten-Inhalte und dann Mini-Broschüren-Texte für unsere Firma zaubere, bastele, mir aus den Fingern sauge, fühle ich mich wie eine ausgequetschte Zitrone…  Sollte ich mich also bis Anfang Mai nicht rühren, dann hab ich es einfach vorm Urlaub (ein schlaffes “Yeah” - ab Donnerstag und bis 3. Mai hab ich frei) nicht mehr geschafft, irgendwas mitteilens- und lesenwertes von mir zu geben.

Frühling auf dem Lande

Wir wohnen ja ein Stückchen außerhalb von Moskau, und auch da sieht man nun allerorts bunte Frühlingsboten:

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass dort unmittelbar in der Nähe eine Wasserquelle ist, von der viele Datscha-Bewohner ihr Trinkwasser holen (wir auch).

Und vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass dieses Foto entstand, als eine Gastarbeiter-Reinigungsbrigade gerade erst überall dort entlang gegangen war und den alten Müll eingesammelt hatte, die Säcke waren noch nicht mal abgeholt.

Und vielleicht sollte ich zuletzt noch dazu sagen, dass die meisten Picknick-Gruppen, die an Gutwetter-Wochenenden zuhauf in unserer Umgebung anzutreffen sind, ihre Picknick-Plätze ungefähr so hinterlassen.

Da freut man sich doch jedes Jahr neu, dass es endlich, endlich Frühling wird…

Unklarheit

Bürodialog.

M: Wie schreibt man “свиньи” (Schweine) - mit Weichheitszeichen oder ohne?
A: Wem willst du das denn schreiben? Für alle Fälle: “свиньи” schreibt man “уважаемые коллеги” (geschätzte Kollegen).

PS: Die Kollegen waren nicht gemeint.

Jahresendgespräch

Schöne Bescherung… und das im April. Aber was soll’s, von mir aus kann das (aktuelle) Jahr im Juni schon zu Ende sein, wenn es dann wieder so ein in jeder Hinsicht angenehmes Jahresendgespräch mit äußerst erfreulichen Folgen gibt. Mal sehen, vielleicht bleiben wir ja in Russland länger, als ursprünglich gedacht. Mein Chef wäre jedenfalls sehr daran interessiert.